# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Weißrussland: Schützenhilfe für Lukaschenko
       
       > Präsidentschaftskandidatin Korotkewitsch verteidigt ihre Teilnahme an der
       > Pseudo-Abstimmung. Auch für einen Parlamentssitz will sie sich bewerben.
       
 (IMG) Bild: Übersichtlich: Weißrussische Demonstranten am Wahlabend in Minsk. „Lukaschenko hau ab!“ steht auf ihrem Transparent.
       
       Berlin taz | Die ehemalige weißrussische Präsidentschaftskandidatin Tatjana
       Korotkewitsch hat bei einem Treffen im Wilson-Centre, einem unabhängogen
       Think Thank in Washington am vergangenen Donnerstag ihre Teilnahme an der
       umstrittenen Präsidentschaftswahlen in Weißrussland verteidigt und sich
       über ihre Zukunftspläne geäussert.
       
       Die Wahlen zu ignorieren hätte die Opposition in den Augen der Bevölkerung
       genauso diskreditiert, wie die Regierung, die „die Menschen in Weißrussland
       aktiv ignoriert und nicht respektiert“, sagte Korotkewitsch. Sie wolle die
       Arbeit ihrer Bewegung „Sag die Wahrheit“ fortsetzen und an den kommenden
       Parlamentswahlen ebenfalls teilnehmen.
       
       Korotkewitsch war wegen ihrer Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen am
       11. Oktober 2015 von der weißrussischen Opposition scharf kritisiert
       worden, weil die Wahl nicht OSZE-Standards entsprochen und nur der
       Vortäuschung einer demokratischen Abstimmung gedient habe.
       
       Mitchell Pollman, ein OSZE-Beobachter der Präsidentschaftswahl, bekräftigte
       während des Briefings, dass die Stimmenauszählung weitestgehend
       intransparent gewesen und alternative Kandidaten sowie politische Parteien
       in der Wahlkommissionen unterrepräsentiert gewesen seien.
       
       ## Wahlkampf mit Takt
       
       Befürchtungen der Opposition, dass Korotkewitschs Teilnahme an den Wahlen
       nur der Legitimation der Pseudowahl gedient habe, scheinen berechtigt. So
       lobte der Geschäftsträger der weißrussischen Botschaft in Washington, Pawel
       Schidlowskij, ausdrücklich das Engagement der 38jährigen: „Ich bin sehr
       froh, dass Tatiana Korotkevitsch heute bei uns ist. Ich glaube, dass sie
       mit Takt Wahlkampf gemacht hat. Sie hat der Präsidentschaftskampagne
       Anstand und Würde verliehen.“
       
       Mit diesem „Anstand“ und dieser „Würde“ scheinen auch die USA und die EU
       zufrieden zu sein. Bereits nach einem Treffen zur Situation in Weißrussland
       im Washingtoner Wilson-Centre am 19. November 2014 hatte Valerij
       Kowalewskij, ehemaliger Mitarbeiter des weißrussischen Aussenministeriums,
       berichtet, dass die USA bereit seien, wegen der angespannten Situation in
       der Ukraine, im Falle der weißrussischen Diktatur ein Auge zuzudrücken,
       sollte das Regime von Präsident Alexander Lukaschenko minimale Fortschritte
       machen.
       
       Ein Grund dafür könnte der Wunsch der Amerikaner zu sein, die Ukraine im
       Krieg gegen Russland zu unterstützen und Lukaschenko dazu zu bringen, eine
       positive Rolle bei der Lösung des Ukraine-Konfliktes zu spielen und sich
       nicht komplett auf die Seite von Russland zu schlagen.
       
       Die USA stellten zwar auch bei den diesjährigen Präsidentschaftswahel
       demokratische Mängel fest, lobten jedoch „den friedlichen Ablauf“. Die EU
       will aufgrund der „Fortschritte“ - so wurden vor wenigen Wochen alle
       weißrussischen politischen Gefangenen aus der Haft entlassen - ihre
       Sanktionen gegen Minsk für vier Monate aussetzen.
       
       24 Oct 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ales Savenok
       
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