# taz.de -- Prügelszenen in der Erstaufnahme: „Polizeilich völlig unauffällig“
       
       > Nach Auseinandersetzungen in Unterkünften gibt es Forderungen nach
       > getrennter Unterbringung. Hamburgs Polizei widerspricht: Kein Grund für
       > Alarmismus.
       
 (IMG) Bild: Viel Polizei, wenig Aufregung: In Hamburgs Flüchtlingsunterkünften bleibt es – wie im Rest Norddeutschlands – meist friedlich.
       
       HAMBURG taz | Nach den jüngsten Auseinandersetzungen in einer
       Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Wilhelmsburg schickt die Pressestelle der
       Polizei die Entwarnung umgehend: „Aktuell ist die weitaus größte Anzahl der
       Flüchtlingsunterkünfte in Hamburg polizeilich völlig unauffällig“, sagt
       Polizeisprecher Timo Zill.
       
       Auch die Sprecherin des Trägers „Fördern & Wohnen“, der die Hamburger
       Flüchtlingsunterkünfte betreibt, setzt auf Deeskalation: „Die absolute Zahl
       der Konflikte dürfte steigen, weil die Zahl der Flüchtlinge steigt“, sagt
       Susanne Schwendtke. Befürchtungen, dass die Konflikte unter anderem entlang
       religiöser Grenzen verliefen, wie sie unlängst die Gewerkschaft der Polizei
       äußerte, teilt sie nicht. In der Regel entzündeten sich die
       Auseinandersetzungen an Alltäglichem, etwa darum, wer zuerst etwas zu Essen
       erhält. Dass diese Konflikte in der Folge aussähen wie ein religiöser oder
       ethnischer Konflikt, beruhe schlicht darauf, dass die Kontrahenten sich
       dann Unterstützung aus ihrem Umfeld holten.
       
       Dietlind Jochims, Flüchtlingsbeauftragte der Evangelischen Kirche, weiß
       ebenfalls nichts von einer besonderen Diskriminierung von Christen, wie sie
       die Gewerkschaft der Polizei befürchtet. „Ich habe nur in Einzelfällen
       davon gehört“, sagt sie. „Ich will nichts schönreden, aber in sicherlich 85
       Prozent der Fälle finden die Konflikte wegen der Art der Unterkunft und der
       Unsicherheit der Zukunft statt.“
       
       Einer der Einzelfälle, von denen Jochims gehört hat, bezieht sich auf eine
       Gruppe junger Eritreer, die sich an den Pastor der Hamburger Hauptkirche
       St. Petri, Christoph Störmer, gewandt hatten und von religiösen Spannungen
       in der Unterkunft in den Messehallen sprachen. Bei einem Besuch vor Ort
       erfuhr Störmer jedoch nichts Näheres. Besorgniserregender erscheint ihm die
       Situation von Konvertiten. Der Pastor macht das an der großen Angst fest,
       mit der zwei syrische Konvertiten zu ihm kamen.
       
       Noch fehlen Zahlen, um all diese Befunde zu untermauern. Der Sprecher der
       Hamburger Innenbehörde, Frank Reschreiter, erklärt, dass sein Haus keine
       Statistik über Gewaltvorfälle in den Unterkünften führt. Laut Susanne
       Schwendtke von „Fördern und Wohnen“ führt das Unternehmen zwar Buch über
       sogenannte „besondere Vorkommnisse“ – derzeit sei eine Statistik und deren
       Auswertung aber nicht darstellbar.
       
       Die einzigen amtlichen Zahlen stammen daher aus der Antwort des Hamburger
       Senats auf eine CDU-Anfrage vom 7. September. Diese ist jedoch wenig
       erhellend, denn die Zahl der Polizeieinsätze in Flüchtlingsunterkünften
       wurde wegen eines Softwaredefekts nicht dokumentiert. Die Polizei will in
       dieser Woche neue Daten vorlegen.
       
       Einzig belegbar sind derzeit Übergriffe auf Frauen in
       Flüchtlingsunterkünften: In der Antwort auf eine Anfrage der FDP vom 14.
       September benannte der Senat neun Fälle sexueller Gewalt. Daraufhin
       forderten Abgeordnete der Grünen und Linken eine gesonderte Unterbringung
       schutzbedürftiger Frauen.
       
       Christiane Schneider (Linke) warnte zudem davor, dass angesichts der Größe
       der Unterkünfte „Konflikte vorprogammiert“ seien. Eine Trennung nach
       Ethnien oder Religion hält sie für „kontraproduktiv – schließlich sollen
       sich die Flüchtlinge hier integrieren“.
       
       Um Konflikte mittelfristig zu vermeiden, fordert sie, dass die Stadt die
       dezentrale Unterbringung vorantreibt – auch durch die Beschlagnahmung
       kleinerer Hallen. Doch für den Schutz gefährdeter Frauen hält Schneider
       eigene Unterkünfte für diese Gruppe für unabdingbar.
       
       Die Innenbehörde wusste vergangene Woche noch nichts von diesem Plan und
       betonte, es sei „vordringlich, Obdachlosigkeit zu vermeiden“. Zudem seien
       in den Erstunterkünften alleinstehende Frauen getrennt untergebracht.
       Anscheinend hat jedoch auch die Innenbehörde erkannt, dass die Bemühungen
       nicht ausreichen. Wenig später bestätigte ein Behördensprecher, dass man
       daran arbeite, „allein reisenden Frauen Plätze in kleineren
       Erstaufnahme-Unterkünften zur Verfügung zu stellen“.
       
       12 Oct 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Friederike Gräff
       
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 (DIR) Unterbringung von Geflüchteten
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