# taz.de -- Kommentar AKW Hinkley Point: Lizenz zum Gelddrucken
       
       > Zwei Milliarden Pfund an Kreditgarantien gibt die britische Regierung
       > Investoren beim Bau eines AKW. Eines überflüssigen AKW, versteht sich.
       
 (IMG) Bild: Kein neues Stonehenge: Hinkley Point C
       
       Die britische Regierung liest der Atomindustrie jeden Wunsch von den Augen
       ab. Das muss sie auch, sonst würde niemand bei Verstand ein AKW bauen. So
       wurden Planungsverfahren, Umwelt-TÜV und Sicherheitsvorschriften
       vereinfacht, Risiken und Kosten auf den Steuerzahler abgewälzt.
       
       Das neueste Entgegenkommen betrifft eine Kreditgarantie in Höhe von zwei
       Milliarden Pfund, die der britische Schatzkanzler George Osborne den
       chinesischen Investoren gegeben hat. Damit ist der Vertrag
       unterschriftsreif. Ist er erst mal unterzeichnet, gibt es kein Zurück mehr.
       Warum sollten die Betreiberfirmen auch aussteigen wollen? Der überaus
       großzügige Garantiepreis für Strom ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken.
       
       Und man muss sich nicht mal sonderlich viel Mühe geben. Anders als bei
       einem Fernseher etwa, bei dem der Hersteller die Funktionstüchtigkeit
       garantieren und für die Entsorgung nach Ablauf der Lebendauer sorgen muss,
       müssen sich die Baufirmen eines Atomkraftwerks nicht mit solch lästigen
       Vorschriften herumplagen.
       
       Für die Müllbeseitigung und die Entsorgung nach Ablauf der Lebensdauer ist
       der Staat, also der Steuerzahler zuständig. Der springt auch ein, sollte
       etwas schief gehen.
       
       ## Österreich Schaden zufügen
       
       So kann man sich auf die Profitmaximierung konzentrieren, und das geht am
       besten durch Einsparungen beim Material. Das finnische AKW Olkiluoto hinkt
       Jahre hinter der geplanten Fertigstellung her, weil die Baufirma
       minderwertigen Beton, mangelhafte Schweißnähte und ein fehlerhaftes
       Sicherheitssystem abgeliefert hat.
       
       In Flamanville in der Normandie hat man in diesem Jahr einen potenziell
       katastrophalen Fehler entdeckt, weil die Druckkammer, die den Reaktor
       umhüllt, anfällig für Risse ist. Das Kühlsystem ist ebenfalls nicht in
       Ordnung. Und auch in China hinkt der Bau eines AKW wegen
       Sicherheitsproblemen erheblich hinterher.
       
       Bei allen drei Modellen handelt es sich um den neuen „European Pressurized
       Reacor (EPR)“, und alle drei werden vom französischen Konzern EDF gebaut –
       ebenso wie Hinkley Point C. Gibt das der britischen Regierung etwa zu
       denken? Nicht im geringsten. Gegen den Rat von Experten, Umweltschützern,
       Analysten und der Stromindustrie hält man verbissen an dem Projekt fest.
       Die Minister planen sogar einen Rachefeldzug gegen Österreich, das bei der
       EU-Kommission Klage gegen die Subventionen von Hinkley Point eingereicht
       hat.
       
       Aus einem durchgesickerten geheimen Memorandum geht hervor, dass
       „Großbritannien jede Gelegenheit ergreifen wird, um Österreich in Zukunft
       zu verklagen oder zu schaden“. Den größten Schaden würde man anrichten,
       indem man dem Land ein von EDF gebautes AKW schenkte.
       
       22 Sep 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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