# taz.de -- Kommentar zum Streik bei der Lufthansa: Der Kampf ums Cockpit
       
       > Die Pilotengewerkschaft der Lufthansa ruft zum 13. Streik in eineinhalb
       > Jahren auf. Das ist ebenso nachvollziehbar wie aussichtlos.
       
 (IMG) Bild: Auf Dauer bleibt die Konkurrenz Konkurrenz.
       
       Für viele Passagiere wird das wieder eine Nervenprobe: Hebt mein Flugzeug
       planmäßig ab, werde ich umgebucht oder muss ich sehen, wo ich bleibe? Für
       den heutigen Dienstag ruft die Pilotengewerkschaft Cockpit ihre Mitglieder
       bei der Lufthansa zum Streik auf; das ist nun schon der 13. Ausstand im
       seit eineinhalb Jahren festgefahrenen Tarifkonflikt. Dabei geht es um mehr
       als um hohe Gehälter und üppige Vorruhestandsregelungen für rund 5.000
       Piloten – es geht um die Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, um
       deutsche Tarifregeln zu umgehen.
       
       Dass sich die Gewerkschaft dagegen wehrt, ist verständlich. Ein
       Arbeitgeber, der während der laufenden Tarifverhandlungen Fakten schafft,
       um die Kampfkraft der Gewerkschaft auszuhöhlen, muss mit ihrem Widerstand
       rechnen.
       
       Zumal Europas größte Fluggesellschaft einen satten Gewinn von 1,5
       Milliarden Euro in diesem Jahr erwartet. Daher bestreikt Cockpit jetzt die
       lukrativen Langstreckenverbindungen, um den ökonomischen Druck auf den
       Konzern maximal zu erhöhen. Für die Passagiere ist das ärgerlich, denn auf
       interkontinentalen Verbindungen können sie nur auf andere Flugzeuge
       ausweichen – während bei Kurzstreckenflügen auch die Bahn eine Alternative
       sein kann.
       
       Die Pilotengewerkschaft fordert von der Lufthansa nun, während der
       Verhandlungen den Ausbau der Billigfluggesellschaft Eurowings in Österreich
       auf Eis zu legen. Darauf will sich der Konzern aber nicht einlassen; er
       sieht seine Zukunftsfähigkeit bedroht, wenn er nicht der Konkurrenz – den
       europäischen Billigfliegern ebenso wie staatlich subventionierten
       arabischen Fluggesellschaften – schnell auch mit günstigen Preisen Paroli
       bieten kann.
       
       So kämpferisch Cockpit sich gibt – auf die Dauer wird die
       Pilotenvereinigung die Konkurrenzsituation des größten Arbeitgebers der
       Branche in Deutschland nicht ignorieren können. Wenn niemand mehr an Bord
       geht, braucht man auch keine Piloten.
       
       8 Sep 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Richard Rother
       
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