# taz.de -- Neue Erkenntnisse im Waterkant-Gate?: „Barschel ist völlig unschuldig“
       
       > Gert Postel, einst weltbekannter Ärzte-Imitator und in die
       > Barschel-Affäre verwickelt, beteuert die Unschuld des früheren
       > schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten.
       
 (IMG) Bild: „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“: Barschel bei der berühmten Pressekonferenz 1987.
       
       taz: Herr Postel, kann der Tod von Reiner Pfeiffer, dem Hauptakteur der
       Barschel-Affäre, dazu beitragen, Licht in einen der größten Polit-Skandale
       der Bundesrepublik zu bringen: das „Waterkant-Gate“? 
       
       Gert Postel: Ja. Denn nun kann ich frei reden.
       
       Und was ist Ihre Botschaft? 
       
       Barschel ist unschuldig. Er wusste nichts von Pfeiffers Machenschaften im
       schleswig-holsteinischen Wahlkampf 1987 gegen Barschels Herausforderer
       Engholm.
       
       Der SPD-Kandidat Björn Engholm wurde von Privatdetektiven ausspioniert, es
       gab anonyme Steueranzeigen und eine angebliche HIV-Infektion. Und es gibt
       die Vermutung, dass Sie selbst einige der anonymen Telefonanrufe getätigt
       haben, mit denen Engholm denunziert wurde. 
       
       Das stimmt aber nicht. Wobei ich zugeben muss, dass ich das Gerücht
       seinerzeit selbst ein wenig am Köcheln gehalten habe.
       
       Warum? 
       
       Weil damit Geld zu verdienen war. Die Magazine standen ja Schlange, um an
       Informationen heranzukommen.
       
       Und jetzt sagen Sie: Barschel und Postel sind unschuldig, der Pfeiffer war
       es allein? 
       
       Barschel ist völlig unschuldig, aber er hat einen entscheidenden Fehler
       gemacht: Er hat Mitarbeiter zu falschen eidesstattlichen Aussagen gedrängt,
       um sich zu verteidigen.
       
       Aber sein berühmtes eigenes Ehrenwort samt eidesstattlicher Erklärung über
       seine Unschuld waren korrekt? 
       
       Ja. Bloß hat ihm das dann niemand mehr glauben wollen.
       
       Apropos: Wie ist die Glaubwürdigkeit eines Zeitgenossen einzuschätzen, der
       als Hochstapler bekannt wurde? 
       
       Ich sage immer: Auch ein Heiratsschwindler kann sich verlieben.
       
       Und wie soll eine Braut wissen, dass die Gefühle diesmal echt sind? 
       
       Also im Ernst: Es ist doch völlig unzulässig und auch langweilig, eine
       Persönlichkeit auf einen Begriff wie „Hochstapler“ zu reduzieren, ich habe
       das längst hinter mir gelassen. Ich habe lediglich in meiner Rolle als Arzt
       gelogen. Und das musste ich, um die Psychiatrie zu enttarnen.
       
       Und jetzt haben Sie uns über die historische Wahrheit aufgeklärt? 
       
       So weit sie mir bekannt ist.
       
       Bleibt die Frage, wer Barschel in der Genfer Badewanne ermordet hat, falls
       es kein Selbstmord war. 
       
       Das weiß ich auch nicht. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass er sich
       nicht selbst umgebracht hat. Kein Mensch auf Tavor bringt sich um – und
       auch niemand, der zuvor noch Spielzeug für seine Kinder kauft.
       
       Warum haben Sie Pfeiffers Tod abgewartet, um ihn zu belasten,
       beziehungsweise Barschel zu entlasten? 
       
       Weil ich Pfeiffer das versprochen habe. Pfeiffer war ein widerwärtiger
       Charakter, der mir aber immer wohlgesonnen war. Ich habe ihn vor einer
       Weile angerufen und ihn mit meiner Überzeugung konfrontiert, dass er selbst
       der Urheber der Aktionen gegen Engholm war. Da hat er auf die für ihn
       typische dreckige Art gelacht und zugegeben, dass er mir nichts vormachen
       kann. Aber ich sollte bis zu seinem Tod warten, bevor ich darüber spreche.
       „Danach kannst du damit Geld verdienen“, hat er gesagt.
       
       Dafür ist die taz aber keine gute Adresse ... 
       
       Geld interessiert mich auch nicht mehr.
       
       Sie kannten Pfeiffer schon aus gemeinsamen Bremer Tagen. 
       
       Ja. Das Entscheidende ist jedoch, dass Pfeiffer von meinem Auftritt in
       Flensburg als vermeintlicher Amtsarzt Dr. Dr. Bartholdy völlig euphorisiert
       war, ich wurde dadurch für ihn zum Vorbild.
       
       Sie meinen, es führt ein direkter Weg von Dr. Dr. Bartholdy zu Dr. Dr.
       Barschel? 
       
       Pfeiffer war völlig angefixt von meiner Geschichte und hat daraus
       gefolgert: Das mach‘ ich auch, und zwar im ganz großen Stil.
       
       Pfeiffer hat schon zuvor, als Chefredakteur des Bremer CDU-Blattes
       Weser-Report, Dokumente gefälscht, um vermeintliche Betrugsfälle zu
       „enttarnen“. 
       
       Solche Vorgehensweisen entsprachen seinem Naturell. Das ist die
       Handschrift, die sich im Fall Engholm/ Barschel zeigt.
       
       Aber wenn es Barschel nicht war: Wer hat Pfeiffer dann beauftragt, seine
       Methoden gegen Engholm einzusetzen? 
       
       Niemand, das ist es ja! Es gibt keinen Auftraggeber. Es sei denn, man sagt:
       Seine eigene kranke Seele hat ihn beauftragt, seine Geltungssucht, seine
       narzisstische Persönlichkeitsstörung. Das ist die innere Wahrheit.
       
       3 Sep 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Henning Bleyl
       
       ## TAGS
       
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