# taz.de -- Kolumne Vollbart: Aufhören mit dem Scheiß!
       
       > Nach dem „Hippster“ kommt nun der „Yuccie“ – angeblich. Mich langweilt
       > dieses ganze Kategorien-Bingo mittlerweile. Sind wir nicht alle längst
       > „Normcore“?
       
 (IMG) Bild: „Yuccies sind keine Yuppies, weil die nicht kreativ waren“: „Action Days“ gegen „Yuppisierung“ und teure Wohnungen 2008 in Berlin.
       
       Der Hipster ist tot. Das schreibt Journalist David Infante auf Mashable.
       Was für eine News. Aber gab es den Hipster jemals? Oder war es nur eine
       Zuschreibung, weil JournalistInnen Kategorien lieben? Mit „Hipster“ konnten
       sie eine ganze Generation zwischen Brooklyn, Berlin und Paris beschreiben.
       Infante selbst fand den Begriff beleidigend, weil ungenau. Er schlägt den
       Begriff „Yuccies“ vor. Das sind die jungen, urbanen Kreativen, die von
       Reichtum und kreativer Autonomie träumen. Irgendwie süß.
       
       Infantes Definition folgend definieren sich die Yuccies selbst nicht durch
       ihren Reichtum, sondern die Beziehung zwischen Wohlstand und eigener
       Kreativität. Und weil ohne Checkliste nichts geht, liefert Infante gleich
       eine. Ein Auszug: Sie mögen in der Theorie keine Gentrifizierung, lieben in
       der Praxis aber hausgemachte Donuts. Sie vermeiden sichtbare Tattoos, weil
       es der Karriere schadet. Sie haben Tausende Instagram – aber kaum
       Twitter-Follower. Ein wichtiges Merkmal scheint die Liebe zu Geld zu sein,
       dennoch sind sie „Yuccies“ keine „Yuppies“, weil der „Yuppie“ nicht kreativ
       ist.
       
       Mich langweilt dieses Kategorien-Ping-Pong. In Berlin vergeht ja keine
       Minute, in der nicht irgendwer irgendwen als Hipster bezeichnet. Wieso? Um
       sich selbst zu distanzieren. Um die eigene Individualität zu
       unterstreichen. Hipster sind die anderen.
       
       ## Es geht um Privilegien und Geld
       
       Und wie sehen Yuccies aus? Der Hipster wurde vor allem phänotypisch
       definiert (enge Hose, Bart, Agenturbrille) und natürlich männlich codiert.
       Bei den Yuccies geht es einfach um Privilegien und Geld. Warum braucht es
       dafür also ein neues Wort? Es sind eben Leute um die 30, die Kohle haben
       und sich ihrer Privilegien bewusst sind, sie aber nicht verlieren wollen.
       
       Aber wird nicht schon dieses ganze Kategorien-Bingo unter „Generation Y“
       gepackt? Sind wir nicht alle längst „Normcore“? Und könnten wir nicht mal
       mit dem Scheiß aufhören? Eine ganze Generation lässt sich nicht in einen
       Begriff packen. Es dient als Marketingstrategie und schreibenden Menschen
       zur Generalisierung. Vor allem lassen sich so tatsächlich Differenzen
       ausschalten, denn wenn alle unter einem Begriff fallen, ist es leichter zu
       wissen, wen wir lieben, wie wir leben und was wir wollen.
       
       Die Hipster gab es jedenfalls nie, weder in Berlin, noch in Brooklyn und
       schon gar nicht in Paris. Und so gibt es auch die Yuccies nicht. Ich will
       keins von beiden sein – nicht um meine Pseudo-Hyperindividualität zu
       beweisen, sondern weil ich nicht in einer Kategorie stecken will, die mir
       vorschreibt, wonach ich strebe (“Yuccies wollen erfolgreich wie Yuppies und
       kreativ wie Hipster sein“), was für Musik ich höre und welche Serie ich
       schauen muss ("Seinfeld“). Und wenn schon Serie, dann bitte „Mord ist ihr
       Hobby“ oder „Golden Girls“ – oder ist das schon zu Gay-Yuccie?
       
       11 Jul 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Enrico Ippolito
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Vollbart
 (DIR) Vollbart
 (DIR) Vollbart
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kolumne Vollbart: Nordische Brise
       
       In Berlin können Menschen Mist machen, es als Projekt verkaufen und die
       Leute flippen aus. Aber der Unterschied ist: Berlin ist dreckig. Das ist
       ein Vorteil.
       
 (DIR) Kolumne Vollbart: Küssen oder nicht, das ist die Frage
       
       Das Coming-Out ist die Krönung der Emanzipation. Oder etwa nicht?
       
 (DIR) Kolumne Vollbart: „Du Scheißsalafist!“
       
       Hamburg und München gehen gar nicht. Wer öfter mal wegfährt, lernt Berlin
       wieder anders kennen - und schätzen.