# taz.de -- Frauen protestieren gegen Erdoğan: Sie haben Rücken
       
       > Frauen kehren beim Wahlkampf dem türkischen Präsidenten aus Protest die
       > Rückseite zu. Tausende schließen sich auf Twitter an.
       
 (IMG) Bild: Kurdische Frauen protestieren gegen die AKP, Mitte Mai.
       
       Berlin taz | Mitten im Wahlkampf wünschen sich Politiker vor allem, dass
       ihnen die Massen zujubeln. Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan
       wenden seit Montag jedoch viele Frauen den Rücken zu – wortwörtlich.
       
       Während einer Tour durch Iğdır im Osten der Türkei wandte sich eine Gruppe
       von Frauen von Erdoğan ab, der in seinem Kampagnenbus durch die Ortschaft
       fuhr. Dabei sollen sie mit ihren Fingern das Victory-Zeichen geformt haben.
       Wie [1][türkische Medien berichten], soll die Gruppe der HDP, der
       Kurdischen Demokratischen Volkspartei, angehören. Die oppositionelle
       Gruppierung kämpft derzeit für den Einzug ins Parlament.
       
       Über die ablehnende Geste zeigte sich der amtierende Präsident wenig
       erfreut und verurteilte die Aktion mehrfach. Bei späteren Auftritten
       verwies er darauf, dass Politik nur im Parlament gemacht werden dürfe –
       also von den Abgeordneten. Dies sollte jeder wissen, der „eine Spur von
       Höflichkeit, Ehre und Kompetenz“ besäße. Kritik sei scheinbar in Ordnung,
       aber doch bitte nicht von allen und nicht auf der Straße.
       
       Erfreut über die Tatsache, dass sich Erdoğan tatsächlich so leicht
       provozieren lässt, setzt sich der Protest nun im Internet fort: Unter dem
       Hashtag #SırtımızıDönüyoruz (“Wir drehen unseren Rücken“) veröffentlichten
       Frauen innerhalb weniger Stunden Tausende Fotos ihrer Rückseiten, bisher
       wurden über 130.000 Tweets zu dem Thema abgesetzt. Auch Männer beteiligen
       sich inzwischen an dem Aufstand.
       
       Mit den Fotos wollen sie Korruption und die frauenfeindliche Politik der
       Regierungspartei AKP bekämpfen, erklären die Beteiligten. Bereits mehrfach
       [2][äußerte sich Erdoğan dazu, dass eine Gleichstellung von Frau und Mann
       unnatürlich sei]. Zudem fordert er, dass Frauen mindestens drei Kinder
       bekommen müssen, um ihre Nation zu erhalten, andere Parteimitglieder geben
       regelmäßig Kleidungs- und Verhaltensempfehlungen für Frauen in der
       Öffentlichkeit ab.
       
       Die Sozialen Netzwerke wurden Präsident Erdoğan nicht zum ersten Mal zum
       Verhängnis. Bereits im letzten Jahr formierte sich ein Twitter-Protest,
       nachdem ein Regierungsmitglied Frauen das laute Lachen in der
       Öffentlichkeit verbieten wollte. Auch die Bürgerproteste im Jahr 2013 auf
       dem Taksim-Platz wurden durch die neuen Medien geprägt. Der Präsident kennt
       und fürchtet die Macht von Twitter und Co.: Im letzten Jahr ließ er die
       Seite mehrfach sperren, als die Kritik zu laut wurde.
       
       4 Jun 2015
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.hurriyetdailynews.com/erdogan-slams-female-protesters-for-turning-their-back-on-him.aspx?pageID=238&nID=83330&NewsCatID=338
 (DIR) [2] /!5027795/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michelle Trimborn
       
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