# taz.de -- Ex-ANC-Nachwuchspolitiker vor Gericht: Südafrikas linker Bürgerschreck
       
       > Oppositionsführer Julius Malema gerät vor Gericht unter Druck. Es geht um
       > viel Geld, Steuernachzahlungen aus neun Jahren.
       
 (IMG) Bild: Oppositionspolitiker Julius Malema spricht vor ausländischen Korrespondenten in Johannesburg Ende März 2015.
       
       JOHANNESBURG taz | Ohne das rote Barett sieht Julius Malema gleich weniger
       revolutionär aus. Der rote Overall, den er im südafrikanischem Parlament
       als Markenzeichen seiner Partei EFF (Economic Freedom Fighters) trägt, hat
       er gegen ein weißes Hemd getauscht. Schwarze enge Hosen stoßen auf polierte
       schwarze Schuhe. Südafrikas Enfant terrible wirkt schlicht beim Treffen mit
       ausländischen Medien in Johannesburg. Aber dann bringt er mit
       leidenschaftlichen Gesten seine Botschaft auf den Punkt: „Wir sind auf dem
       Weg in eine Diktatur.“
       
       „Die EFF wird dieses Land retten, bevor es den Bach heruntergeht“,
       verspricht der Führer von Südafrikas linker Opposition. „Wir sind
       diejenigen, die dem Regime höchst unangenehme Fragen stellen. Die
       Regierenden müssen zur Verantwortung gezogen werden. Der große Elefant im
       Raum ist der Präsident. Er ist ein korrupter Dieb.“
       
       Malema gründete die EFF 2012 nach einem bitteren Zwist mit dem regierenden
       Afrikanischen Nationalkongress (ANC), der in seinem Rausschmiss endete.
       Seither hat Malema Präsident Jacob Zuma ewige Feindschaft geschworen.
       
       Die Zeit, als er mehr mit rassistischen Spitzen gegen Weiße von sich reden
       machte, hat er hinter sich gelassen, sagt der rundliche Sohn einer
       Hausangestellten aus der Limpopo-Provinz über sich selbst: „Wenn man jung
       ist, ist man wie ein roher Diamant.“
       
       ## Malema sorgt regelmäßig für Tumulte
       
       Aber Ecken und Kanten hat Malema immer noch. Er erhebt massive Vorwürfe
       gegen Zuma, aber er selbst hat massive Probleme: Er ist immer wieder in
       finanzielle Unregelmäßigkeiten verwickelt gewesen, und aktuell verlangen
       die südafrikanischen Steuerbehörden von ihm 16 Millionen Rand (1,2
       Millionen Euro) Steuerschulden plus Zinsen: Ausstehende Zahlungen der
       letzten neun Jahre.
       
       Die Behörden haben Zwangsvollstreckung beschlossen, falls er nicht zahlt;
       in diesem Fall droht dem EFF-Führer der Verlust seines Parlamentsmandats.
       Am Montag wies ein Gericht einen Antrag seiner Partei ab, den
       Vollstreckungsbescheid außer Kraft zu setzen.
       
       Malema will lieber über andere Dinge reden. Er sieht die EFF als einzige
       linke Alternative in Südafrika. Der ANC habe seine Wähler enttäuscht, und
       die größte Oppositionskraft DA (Demokratische Allianz) verteidige weiße
       Privilegien. Er räumt seiner Partei großen Erfolg ein bei den im nächsten
       Jahr anstehenden Kommunalwahlen – vergangenes Jahr bei den Parlamentswahlen
       holte die EFF landesweit 6,4 Prozent, in einzelnen Bergbaurevieren aber bis
       zu 20.
       
       ## Drastische Aktionen
       
       Das Hauptthema der EFF ist, dass es seit Ende der Apartheid keine
       Landreform in Südafrika gegeben hat. Der Kampf der Schwarzen sei nicht mit
       dem Wahlrecht beendet, sagt Malema. „Es geht um den Besitz der
       Produktivmittel und des Landes“, sagt Malema und schiebt die EFF-Parole
       nach: „Politische Freiheit bedeutet nichts ohne wirtschaftlichen Frieden.“
       
       Malema weiß, dass er den Weißen Angst macht. „Wir wollen, das Schwarze
       gleichgestellt sind, nicht überlegen“, sagt er. „Im Sinne von Mandelas
       Worten einer friedlichen Koexistenz und gleichen Möglichkeiten. Die Weißen,
       die diesen Wandel möchten, sind bei uns willkommen.“
       
       Aber die EFF setzt nach wie vor auf drastische Aktionen. Ihre Abgeordneten
       im Parlament sorgen regelmäßig für Tumulte. Ihre Aktivisten waren
       maßgeblich an den Protesten zur Schleifung kolonialer Denkmäler beteiligt
       und haben ein Kriegsdenkmal aus Kolonialzeiten in Brand gesteckt.
       Ökonomische Freiheit soll mit der Befreiung Südafrikas von allen
       Apartheid-Symbolen einhergehen.
       
       Intern ist aber aus der Partei zu hören, dass Malema mit eiserner Faust
       regiert. Kritik an ihm ist unerwünscht, jegliche Verwicklung in Korruption
       weist er zurück. „Ich bin Staatsfeind Nummer eins“, sagt er und wirkt dabei
       eher stolz. „Wenn der Staat einen wasserdichten Fall gegen mich hätte, wäre
       ich schon längst vor Gericht verurteilt worden.“ Es sei der ANC, der alles
       auf persönliche Macht der Nummer eins reduziere. Krisenstaaten in Afrika
       hätten alle das gleiche Muster: Sie alle schützen vor allem den
       Präsidenten. „Wir hätten davon lernen sollen“, meint Malema. „Wir werden es
       in Südafrika nur richtig machen, wenn wir Zuma abschaffen.“
       
       1 Jun 2015
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martina Schwikowski
       
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