# taz.de -- Afghanistan-Einsatz: Streit um Mandat auch in der Union
> Gemeinsam fordern ein SPD- und ein CSU-Abgeordneter die Neuordnung des
> Bundeswehr-Einsatzes. Das sorgt für Ärger in beiden Fraktionen. Bei den
> Grünen kämpft Basis für Sonderparteitag.
(IMG) Bild: Der Tornado-Einsatz verwirrt einige Unions-Abgeordnete
BERLIN taz Der Streit über die Rolle der Bundeswehr in Afghanistan breitet
sich weiter aus. Seit Freitag ist auch die Union betroffen. Sie hatte sich
bisher relativ einmütig für die Beibehaltung des Status quo ausgesprochen,
sprich: Der Bundestag soll im Herbst alle drei Mandate verlängern. Am
Freitag aber meldete sich der CSU-Außenpolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg
in der FAZ zu Wort: Die drei Mandate sollten zu einem zusammengefasst
werden, schreibt er - pikanterweise auch noch gemeinsam mit Hans-Ulrich
Klose von der SPD.
Die Trennung in die Anti-Terror-Mission "Operation Enduring Freedom" (OEF),
die Schutztruppe Isaf und die Tornado-Entsendung bezeichnen die beiden
Abgeordneten als "konfus". Das Aufgabenspektrum der Bundeswehr reiche vom
zivilen Aufbauprojekt bis zum direkten Kampf gegen die bewaffneten
oppositionellen Kräfte. Der Umfang dieser Anforderungen rechtfertige, "dass
sich Deutschland auf Isaf konzentriere" und auch die im Rahmen von OEF
eingesetzten KSK-Spezialkräfte dem Isaf-Kommando unterstelle, so die beiden
Abgeordneten. Im Klartext: Die Bundeswehr soll sich noch stärker darauf
konzentrieren, den Wiederaufbau des Landes mit Waffen zu schützen und zu
verteidigen - aber dies im ganzen Land, also auch im Süden, wo de facto
Krieg herrscht.
"Diese Haltung entspricht weder der in der Koalition verabredeten Linie
noch der Haltung der Bundestagsfraktion", ließen pikiert der
stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Andreas Schockenhoff und der
außenpolitische Sprecher Eckart von Klaeden wissen.
Auch in der SPD steht Kloses Forderung im Gegensatz zum Mainstream der
Debatte. Immer mehr Abgeordnete verlangen nicht die Integration von OEF,
sondern den Ausstieg aus dieser Operation. Sie wird für die Eskalation des
Krieges im Süden des Landes verantwortlich gemacht.
Militärisch hätte dies keine Auswirkungen: Laut Verteidigungsminsterium
sind seit 2005 keine Bundeswehrsoldaten an OEF beteiligt. Die Regierung
fürchtet aber, dass ein Rückzug den Einfluss der Bundesrepublik schwächen
würde.
Anders als die SPD hat sich die Fraktion der Grünen bereits entschieden:
OEF wird abgelehnt, das Isaf-Mandat soll verlängert werden. Diese Position
bleibt in Teilen der Partei umstritten. Einige Kreisverbände wollen einen
Sonderparteitag einberufen. Bislang votieren aber nur 39 Kreisverbände
dafür, 44 wären nötig.
Nicht vom Afghanistan-Streit erfasst wurde bisher die FDP. Sie wird für die
Verlängerung aller drei Mandate stimmen. Deren Zusammenlegung steht für die
Außenpolitikerin Elke Hoff nicht zur Debatte, "solange der Fokus nicht
stärker auf dem zivilen Wiederaufbau liegt".
30 Jun 2007
## AUTOREN
(DIR) Katharina Koufen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Afghanistan-Einsatz: Eine Soldatin will den Krieg nicht
In Afghanistan sollte sie Sanitäterin sein, dann Kämpferin. Christiane
Ernst-Zettl hat diesen Widerspruch nicht aushalten können. Die Bundeswehr
schickte sie nach Hause zurück.