# taz.de -- Kommentar: Glücksspiel Börse
> Der irrationale Herdentrieb sorgt dafür, dass sich eine Prognose ganz
> gefahrlos wagen lässt: Der nächste Crash kommt bestimmt. Die Frage ist
> nur: wann?
Kündigt sich der nächste Crash an? Kaum sinken die DAX-Kurse, kehren die
Erinnerungen an das Jahr 2000 zurück, als die Aktienwerte erst langsam
fielen, um dann im Frühjahr 2001 rasant einzubrechen. Ist es jetzt wieder
so weit?
Jede Prognose ist gewagt an der Börse. Dort findet ein Glücksspiel statt,
das nur so tut, als würde es ökonomischen Erkenntnissen folgen. Wenn sich
die Banken jetzt misstrauisch fragen, ob sie ihre Kredite an die
Private-Equity-Fonds je wiedersehen, so hätten sie diese Sorge genauso gut
schon vor vier Wochen kultivieren können. Auch damals waren das Öl teuer,
der Euro-Kurs hoch und die Immobilienkrise in den USA sattsam bekannt -
aber damals setzten die Aktien-Indices gerade zu neuen Höhenflügen an. Die
Börsen folgen einem irrationalen Herdentrieb. Dieser Gruppenzwang sorgt
allerdings dafür, dass sich eine Prognose ganz gefahrlos wagen lässt:
Irgendwann kommt es schon deswegen zum Crash, weil alle gleichzeitig in
Panik geraten. Nur wann, das bleibt die Frage.
Beim letzten Crash hat der DAX zwei Drittel seines Wertes verloren. Das war
extrem. Ob sich dieser Kursabsturz wiederholt, ist natürlich auch nicht
vorher zu sagen. Aber es fällt auf, dass die heutige Börsenwelt mit dem
Jahr 2000 nicht mehr wirklich zu vergleichen ist. So bläht sich diesmal
keine Internetblase auf. Die Kurse werden nicht durch virtuelle Branchen
und Erfindungen getrieben; stattdessen erregen jetzt neue Akteure die
Börsenfantasie. Da sind zum einen erfolgreiche Schwellenländer wie China,
die ihre Exportüberschüsse irgendwie investieren müssen. Und da sind zum
anderen die Hedge- und Private-Equity-Fonds, die immer neue Rekordsummen
einsammeln, um Firmen aufzukaufen.
Diese neuen Akteure - das ist der zweite Unterschied - stoßen auf ein neues
Umfeld: Die Reallöhne der Arbeitnehmer sind in vielen Ländern jahrelang
gesunken. Das gilt für die USA genauso wie für Europa. Das
Wirtschaftswachstum kam allein den Unternehmern zugute. Die Gewinne
sprudeln von selbst.
Man kann es auch so sagen: Wenn es nicht zum Crash kommt, dann liegt es
letztlich daran, dass die Arbeitnehmer enteignet wurden.
28 Jul 2007
## AUTOREN
(DIR) Ulrike Herrmann
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Debatte: Die Börse steht nackt da
Nicht nur die Aktienkurse trudeln - die neoliberale Theorie wird gerade
widerlegt. Die Finanzmärkte gelten als die freiesten Märkte und
funktionieren überhaupt nicht
(DIR) Börse: Der Boom auf Pump bricht ein
Die Immobilienblase in den USA platzt, Kredite werden knapp - auch für die
Übernahmen der Private Equity Fonds. Geht der Börsenboom zu Ende?