# taz.de -- Bankenkrise: "Der Bezug zur Realwirtschaft fehlt"
       
       > Im hochspekulativen Geschäft sind die Risiken zu abstrakt geworden, sagt
       > Thomas Jorberg von der GLS Bank.
       
 (IMG) Bild: Die aktuelle Bankenkrise könnte die schwerste seit 1931 werden, warnt die Finanzaufsicht BanFin.
       
       taz: Herr Jorberg, haben Sie denn Ihre Bücher schon auf faule US-Kredite
       durchsucht? 
       
       Thomas Jorberg: Das muss ich nicht. Wir haben weder eigene Kredite an
       Dritte verkauft, noch sind wir an irgendwelchen Fonds beteiligt, die solche
       Kreditpakete halten.
       
       Also wird Geld bei Ihnen nicht teurer? 
       
       Allgemeine Änderungen des Marktzinses schlagen auch bei uns zu Buche. Aber
       im Moment ist es zu früh für konkrete Prognosen. Die Notenbanken sind ja
       bislang weitgehend erfolgreich. Doch es ist noch nicht abzusehen, ob es
       noch weitere Marktverwerfungen gibt.
       
       Auch in der deutschen Bankenlandschaft? Wer kommt denn als Nächstes in die
       Krise? 
       
       Eine Antwort auf diese Frage wäre Kaffeesatzleserei. Aber jeder, der in
       diesem hoch abstrakten und spekulativen Geschäft mitmacht, hat Risiken in
       seinen Büchern. Vieles davon würde ein vorsichtiger Banker gar nicht
       machen.
       
       Warum nicht? Er hätte lange Zeit gut verdient? 
       
       Aber dabei den Bezug zur Realwirtschaft verloren. Bei diesen Geschäften
       wird Geld mit Geld verdient, die Risiken steigen, aber sie werden immer
       abstrakter. Am Ende geht es nur noch um mehrfach weitergereichte Werte mit
       irgendwelchen abstrakten Bewertungen von Ratingagenturen. Und dann weiß
       auch der Investmentbanker nicht mehr genau, womit das Geld verdient wird.
       
       Da hat es eine kleine ethisch korrekte Bank aber auch leichter als die
       Deutsche Bank oder Postbank. Die haben sich weit auf die Finanzmärkte
       vorgewagt. 
       
       Und dennoch entscheiden auch sie darüber, welche Geschäfte sie machen.
       Solange das einzige Kriterium im Finanzmarktbereich die Rendite ist und
       nicht hinterfragt wird, womit sie erzielt wird, wird die Risikokontrolle
       schwierig.
       
       Und was zählt außer der Rendite? 
       
       Die Frage muss sein, was realwirtschaftlich wirklich Sinn macht. Das
       eigentliche Drama der US-Immobilienkrise ist doch: Tausende Menschen wurden
       in die Überschuldung getrieben. Das war die realwirtschaftliche Grundlage
       für das Geschäft. Und diese Menschen leiden nun am meisten darunter, dass
       die Blase geplatzt ist.
       
       13 Aug 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stephan Kosch
       
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