# taz.de -- Drogen im Knast: Die instinktlose Justizsenatorin
       
       > Gisela von der Aue wird die Ankündigung stärkerer Kontrollen in den
       > Gefängnissen nicht leichtgefallen sein: Schließlich belegt sie, dass sie
       > den Fall völlig falsch eingeschätzt hat.
       
       Über Berlins Knästen herrscht offenbar ein so reger Flugverkehr, dass die
       Häftlinge die Sonne kaum mehr sehen: Tennisbälle, vollgestopft mit Heroin,
       hunderte Handys und gar ganze Aluminiumleitern fliegen über die
       Gefängnismauern. Senat und Polizei wollen sich jetzt die Lufthoheit wieder
       erkämpfen - mit mehr Sicherheitskräften auf beiden Seiten des
       Stacheldrahts. Justizsenatorin Gisela von der Aue wird diese Ankündigung
       gestern nicht leichtgefallen sein: Schließlich belegt sie, dass sie den
       Fall völlig falsch eingeschätzt hat.
       
       Als die Drogenversorgung durch einen Fernsehbericht bekannt wurde, stellte
       sie sich als "Senatorin Fehlerlos" dar. Sie geißelte "verzerrende
       Schilderungen" der Medien und stellte im Übrigen fest, die Mitarbeiter der
       Anstalten leisteten tadellose Arbeit und das "Uraltproblem" sei seit jeher
       bekannt. Mit dieser - keinesfalls unter Drogeneinfluss getroffenen -
       Einschätzung stand von der Aue sogar in ihrer eigenen Partei ziemlich
       alleine da.
       
       Sie belegt, dass es der Senatorin in entscheidenden Situationen an
       politischem Instinkt mangelt. Es mag ja sein, dass Drogenlieferungen in den
       Knast nicht weiter bemerkenswert sind. Es mag auch sein, dass über die
       Mauer geworfene Leitern kein Grund zur Aufregung sind. Beides erschließt
       sich dem Laien aber nicht auf Anhieb, müsste also detailliert erklärt
       werden - schließlich hat von der Aue die Probleme keinesfalls ignoriert.
       Statt ihre Sicht aber offensiv zu vertreten und die Vorfälle bekannt zu
       machen, hat von der Aue geschwiegen. Nach der gestrigen Krisensitzung
       musste sie zurückrudern - und sich selbst korrigieren. Eins haben die
       Tennisbälle jedenfalls bewirkt: Ab jetzt sitzt in der Landesregierung eine
       angeschossene Justizsenatorin.
       
       3 Sep 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ulrich Schulte
       
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