# taz.de -- Plötzensee: Körting: Drogen gibts in jedem Knast
       
       > Der Innenausschuss beschäftigt sich mit dem angeblichen Justizskandal.
       > Die Polizei hat rund um den Jugendknast in Plötzensee keine drastische
       > Zunahme von Straftaten festgestellt. Innensenator: Opposition bauscht
       > Debatte auf.
       
 (IMG) Bild: Zentrum der politischen Debatte: Die JVA Plötzensee
       
       In der Debatte um die Jugendstrafanstalt in Plötzensee hat Innensenator
       Ehrhart Körting (SPD) "mehr Ehrlichkeit" angemaht. Anzunehmen, dass es in
       einem liberalen Strafvollzug keine Drogen gebe, sei blauäugig. "Es wird
       immer wieder Wege von Drogen in die Anstalt gibt", sagte Körting am Montag
       im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses an die Adresse von CDU, Grünen und
       FDP gewandt. Die Opposition wirft Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD)
       vor, einen "schwunghaften Drogenhandel" an den Mauern der
       Jugendstrafanstalt geduldet zu haben und fordert ihren Rücktritt.
       
       Im Innenausschuss ging es allerdings weniger um die Person der
       Justizsenatorin, als um die Frage, was Innensenator und die Polizei von den
       Vorgängen an der Gefängnismauer wussten. Ihn wundere, warum Körting so
       merkwürdig still sei, ereiferte sich der Grünen-Fraktionschef Volker
       Ratzmann. Schließlich sei unter den Augen von Vollzugsbediensteten des
       Landes "ein munterer Drogenhandel über die Mauer organisiert" worden.
       
       Polizeipräsident Dieter Glietsch sagte, es gebe keinen Grund, irgendeiner
       Dienstelle der Polizei einen Vorwurf zu machen. Zwischen Anstaltsleitung
       und Polizei habe seit Jahren ein regelmäßiger Kontakt bestanden. Die
       Polizei habe immer das getan, was von ihr erwartet worden sei. Schon 1996
       sei die Polizei von der Anstaltsleitung über versuchte Kontaktaufnahmen von
       Angehörigen zu Gefangenen an der Mauer informiert worden. 2005 sei die
       Information erfolgt, dass zunehmend Handies über die Mauer geworfen würden.
       Daraufhin seien zusätzliche Streifendienste eingerichtet worden. Die
       Polizeiführung habe erst in diesem Sommer durch den internen Bericht eines
       Kripobeamten von den Vorgängen an der Mauer erfahren.
       
       Glietsch konkretisierte die Zahlengaben zu den Drogenfunden, die aus dem
       Jugendknast angezeigt wurden. 2006 wurden 314,7 Gramm Haschisch
       sichergestellt, in diesem Jahr bisher 363,5 Gramm. Von diesen Mengen sei
       aber nur ein Teil von Justizbediensteten an der Mauer gefunden worden, so
       Glietsch. Der Rest sei bei Zugangs-, Zellen- und Postkontrollen
       sichergestellt worden. Unzulässige Kontaktaufnahmen mit Gefangenen seien in
       diesem Jahr 18 Mal angezeigt worden, 2006 zehn Mal und 2005 17 Mal.
       
       Gespräche der Polizei mit Nutzern der benachbarten Laubenkolonie hätten
       "bislang nicht zur Erkenntnis geführt, dass Kleingärtner eingeschüchtert
       oder bedroht wurden". Einzig eine gefährliche Körperverletzung gegen eine
       Mitarbeiterin des ebenfalls an den Knast grenzenden Gewerbegebietes sei
       bekannt geworden. Zugenommen hätten jedoch die Fälle von Hausfriedensbruch
       im Umfeld der Anstalt. Auch bei Sachbeschädigungen sei eine "leicht
       steigende Tendenz" registriert worden.
       
       "Diese Zahlen belegen kein Horrorszenario", sagte Innensenator Körting. Er
       halte die Diskussion "für künstlich aufgeregt". Auch unter früheren dem
       früheren CDU-Justizsenator Eberhard Diepgen habe es schon Kontaktaufnahmen
       mit Gefangenen an der Mauer gegeben.
       
       11 Sep 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Plutonia Plarre
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