# taz.de -- Mängel in Planung und Durchführung: Polizisten kritisieren G-8-Einsatz
       
       > Beim Einsatz in Heiligendamm habe es gravierende Mängel gegeben, so ein
       > GdP-Bericht. Politische Fehler hätten das Klima zwischen Polizei und
       > Demonstranten vermiest.
       
 (IMG) Bild: Schlechte Stimmung durch müde Beamte.
       
       Schlechte taktische Planung, falsche Entscheidungen und übermüdete Beamte
       im Dauerstress - laut einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der
       Polizeigewerkschaft GdP wies der G-8-Einsatz in Heiligendamm erhebliche
       Mängel auf.
       
       "Das waren nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein kooperatives
       Miteinander von Polizisten und Demonstranten", sagte Gewerkschaftschef
       Konrad Freiberg der taz, "zumal Letzteren das Gefühl vermittelt wurde,
       sichtbarer Protest sei in Heiligendamm nicht erwünscht." Für die Fehler
       macht Freiberg vor allem einen Politiker verantwortlich: Mecklenburgs
       Innenminister Lorenz Caffier (CDU): "Er hat sich im Vorfeld weggeduckt, als
       er die harten Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit hätte ausführlich
       begründen sollen, und während des Einsatzes sind seinem Ministerium
       schwerwiegende Fehler unterlaufen."
       
       Dazu zählt der GdP-Bericht unter anderem eine mangelhafte Führung der
       Einheiten. Die Beamten seien ungenügend informiert worden. Andere Vorwürfe
       beziehen sich auf die mangelhafte Unterbringung. Viele Polizisten hätten
       sich nicht ausreichend ausruhen können, obwohl sie täglich zwischen 16 und
       22 Stunden, einzelne Einheiten 25 und sogar über 30 Stunden am Stück Dienst
       leisteten.
       
       Die GdP kritisierte als größte Interessenvertretung deutscher Polizisten
       zudem den Einsatz der Armee in Heiligendamm als "befremdend." Die
       Diskussion über die Rolle der Bundeswehr im Inneren verfolge man
       aufmerksam, heißt es in dem Bericht. Es bestehe der Verdacht, dass
       "weiteres Personal eingespart werden soll, um Wehrpflichtige, die
       wesentlich weniger kosten, für Sicherheitsaufgaben verwenden zu können."
       
       Neben diesen Punkten, die auch den Beifall linker Kritiker des
       G-8-Einsatzes finden könnten, moniert der Bericht allerdings auch, dass
       gegen Demonstranten teilweise zu zaghaft vorgegangen worden sei.
       Insbesondere am Tag der Auftaktdemonstration am 2. Juni in Rostock hätte
       die Polizei nach GdP-Meinung schneller eingreifen und Waffenkontrollen
       durchführen sollen. Zudem wiederholt der Bericht auch Anwürfe, die bis
       heute nicht belegt sind. Dazu zählt die Behauptung, Polizeibeamte seien mit
       Säure bespritzt worden.
       
       "Natürlich setzt die Polizei andere Akzente", sagte Christian Ströbele,
       Vizechef der grünen Bundestagsfraktion der taz, "aber die Ausführungen der
       GdP bestätigen doch zumindest unsere Auffassung, dass der Einsatz der
       Sicherheitskräfte in Heiligendamm mangelhaft war." Seine Fraktion wird
       wegen des Bundeswehreinsatzes in Heiligendamm in den nächsten Tagen Klage
       vor dem Bundesverfassungsgericht einreichen.
       
       26 Sep 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Schulz
       
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 (DIR) Kommentar G8-Polizeieinsatz: Aus Heiligendamm lernen
       
       Der GdP-Bericht erinnert an die offenen Fragen der Polizeieinsätze beim
       G8-Gipfel. Die müssen jetzt endlich in Ausschüssen reflektiert werden -
       denn der nächste Polizei-Großeinsatz kommt bestimmt.