# taz.de -- Kommentar Hauptschule in der Krise: Klassenkampf in der Generation Pisa
       
       > Die Baden-Württemberger dagegen schlagen Alarm: Sie wollen die
       > Hauptschule abschaffen. Zu Recht: Sie bietet ihren Absolventen keine
       > Zukunft. Doch der deutsche Selektionswahn hält sich hartnäckig
       
 (IMG) Bild: Im Ländle todgeweiht: Hauptschulen. Hier, die in Amtzell (Landkreis Ravensburg)
       
       Preisfrage: Was unterscheidet die Rektoren der Hauptschulen in Bayern und
       Baden-Württemberg? Antwort: Beiden hängt die Hauptschule zum Halse raus.
       Aber die weiß-blauen Rektoren schweigen und bereiten sich unter der Hand
       auf den Tag X vor. Die Baden-Württemberger dagegen schlagen Alarm. Sie tun
       alles dafür, die Hauptschule loszuwerden. Mal sehen, wie lange
       Kultusminister Helmut Rau (CDU) den Aufstand der Schulleiter politisch
       aushält.
       
       Die Hauptschule abzuschaffen, ist vollkommen richtig. Diese Schulform ist
       ein - übrigens erst spät entstandener - Nachfolger des niederen Schulwesens
       aus dem 18. Jahrhundert. Weil sie ihren Absolventen keine Zukunft bieten
       kann, hat sie im 21. Jahrhundert nichts mehr verloren. Heute gilt als
       sozial geächtet, wer auf so eine Schule gehen muss. Selbst in Branchen wie
       der Stahlindustrie, die früher mit Ungelernten boomte, haben Hauptschüler
       quasi keine Anstellungschance mehr.
       
       Trotzdem wird der Satz "Die Hauptschulen sind am Ende" nicht der Schluss
       der Debatte sein. Denn die deutsche Schule fußt auf der Idee, die Schüler
       möglichst frühzeitig in Gut und Schlecht zu sortieren. Dieser
       Selektionswahn wird nicht aufhören, nur weil es eine Schulform weniger
       gibt. Im Gegenteil: In allen Bundesländern schließen sich gerade die Reihen
       von Lehrern, Eltern und Gebildeten. Ihr unausgesprochenes Anliegen lautet:
       Die Schmuddelkinder kommen nicht zu uns! Einen Vorgeschmack darauf gaben
       Demos von Realschülern in Kiel, Lübeck und Schleswig. "Wir wollen nicht mit
       den dummen Hauptschülern unterrichtet werden", skandierten sie.
       Klassenkampf in der Generation Pisa.
       
       Soll man deswegen für die Hauptschule sein? Nein, selbstverständlich nicht.
       Die Hauptschulen abschaffen heißt eine "Schule für alle" gründen. Dafür
       braucht es keine Demos, sondern die Zusammenarbeit aller. Eltern, Lehrer
       und Pädagogen müssen zusammenfinden. Ziel muss es sein, jeden Schüler
       optimal zu fördern. Das geht, wie man aus erfolgreichen Beispielen weiß,
       sogar sehr gut. Der Job für die "Schule für alle", die Gemeinschafts-,
       Stadtteilschule oder wie immer sie heißen mag, ist allerdings kein kleiner:
       Es gilt, die Art des Lernens in den Schulen neu zu denken. Auch in
       Deutschland.
       
       23 Nov 2007
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Füller
       
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