# taz.de -- Deutschland im EU-Vergleich: Nur Mittelmaß bei der Integration
       
       > Bei einem Vergleich von 27 europäischen Ländern und Kanada belegt
       > Deutschland Platz 14. Minuspunkte gab es für eine erschwerte
       > Einbürgerung.
       
 (IMG) Bild: Angehende Integrationslotsen im Deutschen Ausländerrecht
       
       BERLIN taz In Sachen Integration ist Deutschland Mittelmaß. Bei einem
       Vergleich von 27 europäischen Ländern und Kanada belegt Deutschland Platz
       14. Auch bei der Ersterhebung des Index zu Integration und Migration in
       Europa 2004 lag Deutschland im Mittelfeld. Bei einzelnen Indikatoren wie
       dem Zugang von Migranten zur Staatsbürgerschaft hat sich die Lage
       hierzulande aber sogar verschlechtert.
       
       Der Index zu Integration und Migration in Europa, kurz Mipex, ist ein
       Projekt des British Council und der Migration Policy Group, ein Thinktank
       aus Brüssel. Er wird von der EU finanziert und von sechs Netzwerkpartnern
       unterstützt, in Deutschland von der Friedrich-Ebert-Stiftung.
       
       Seit 2004 erhebt die Migration Policy Group alle zwei Jahre die
       Rahmenbedingungen für die Integration von Migranten anhand von sechs
       Themenfeldern, darunter Zugang zum Arbeitsmarkt und
       Familienzusammenführung, politische Teilhabe und Schutz vor
       Diskriminierung. Der Zugang zu gleicher Bildung soll erstmals 2010 erhoben
       werden. Als Migranten verstehen die Forscher dabei Staatsangehörige aus
       Drittstaaten, die mit einer ständigen Aufenthaltserlaubnis im
       Untersuchungsland leben. Mit Hilfe von 140 Indikatoren wird der Index
       errechnet.
       
       Schweden, Portugal und Belgien schneiden in diesem Jahr am besten ab,
       Schlusslichter sind Österreich, Zypern und Lettland. Die Niederlande liegt
       auf Platz 4, Großbritannien auf Platz 9, Frankreich kam auf Platz 11. Das
       Ranking aber, betonte der Leiter der Migration Policy Group, Jan Niessen,
       sei nicht das Hauptziel des Index. Vielmehr sollten die einzelnen Länder
       ihre Stärken und Schwächen erkennen und anhand positiver Beispiele aus
       anderen Länder sehen, in welche Richtung sie ihre Politik weiterentwickeln
       sollten.
       
       Zumindest beim Zugang zur Staatsbürgerschaft scheint dieser Rat hierzulande
       keinen Niederschlag zu finden. Statt die Bedingungen zu erleichtern, wie
       der Index nahe legt, hat Deutschland den Zugang zum deutschen Pass seit
       2004 erschwert. Unter anderem wegen der Prüfung des polizeilichen
       Führungszeugnisses und des Inhalts der Integrationstests in manchen
       Bundesländern - man denke nur an den so genannten Muslim-Test in
       Baden-Württemberg - schneidet Deutschland in dieser Rubrik ganz schlecht
       ab. Nur in Österreich und Dänemark sieht es laut Mipex noch mieser aus.
       
       Nachholbedarf legt der Index Deutschland auch bei der Unterstützung
       arbeitsloser Migranten nahe: Das gelte sowohl beim Weg in die
       Selbstständigkeit als auch beim Zugang zu neuen Jobs, sagte Thomas
       Huddleston von der Migration Policy Group.
       
       Relativ gut schneidet Deutschland bei der politischen Teilhabe ab, auch
       wenn es noch immer kein Wahlrecht gibt. Positiv aber schlägt zu Buche, dass
       Migranten Verbände gründen, Parteien beitreten und in Ausländerbeiräte ihre
       Vertreter wählen können. Auch das neue Antidiskriminierungsgesetz wird
       gelobt. Da es in Deutschland aber keine positiven staatliche
       Gleichstellungsmaßnahmen gebe, bleibt Deutschland auch beim Themenfeld
       Antidiskriminierung nur Mittelmaß.
       
       6 Feb 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine am Orde
       
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 (DIR) Integrationspolitik
       
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