# taz.de -- Pro & Contra: Hass-Liebe Valentinstag
       
       > Am 14. Februar ist Valentinstag. Ein Anlass für hochromantische
       > Pärchen-Aktionen oder Konsumterror zum Davonlaufen? Zwei Meinungen.
       
 (IMG) Bild: Manche schenken sich Blumen, andere gruseln sich.
       
       ## "Ein Zug des Grauens!", stöhnt Katharina Bueß
       
       Eine spontane Assoziation zum Valentinstag? Bestimmt nicht Liebe, sondern
       zuerst das alte Klischee: Kommerz. Kollektives Blumenkaufen unter
       Gruppenzwang ist definitiv nicht sexy. Und auch nicht ökonomisch, steigen
       doch die Blumenpreise an diesem Tag sprunghaft an. Die geschmacklose
       Werbung, die multimedial auf einen einprasselt, lässt jeden Gedanken an
       Romantik im Keim ersticken.
       
       So wird man inzwischen in diversen sozialen Netzwerken mit Spam bedacht.
       Facebook schickt eine Mail mit der Aufforderung "Spread the Love", dazu
       einen Link zu den elektronischen Postkarten "Puppy Love" und "Love Birds"
       mit entsprechenden Fotos von Babyhündchen, Babyfischen, Babyaffen und
       ähnlichem. Gibt es eigentlich jemanden, der sich über solch infantilen
       Unsinn ernsthaft freut?
       
       Zweifelhaft ist auch die Massenmail, die ein digitaler Myspace-Freund
       schickt: Er wünscht viele Karten, Blumen und Kuchen und einen wundervollen
       Tag mit Umarmungen. Was für ein Socializing-Druck. Tatsächlich erscheint
       das Feiern des Valentinstags als Phänomen, das genau wie Myspace und
       Facebook im Zuge der Globalisierung aus Nordamerika herübergeschwappt ist.
       
       Auf den PR-Trend "Love sells (Liebe ist der neue Sex)" ist - und das ist
       wirklich der Gipfel des Grusels - inzwischen auch die deutsche Bahn
       aufgesprungen. Ein untrügliches Zeichen, dass etwas nicht gut und nicht
       cool sein kann. "Mit dem Flirt-Express in den siebten Himmel" heißt ihre
       Offensive, bei der sich Großstadt-Singles am 14. Februar bei einer Zugfahrt
       zum Speed-Dating verabreden können. Jeweils einige Minuten darf bzw. soll
       hier geflirtet werden, bei einer Afterparty wird zu einem Freigetränk
       konsequent "weitergedatet", wirbt die Bahn auf ihrer Website. In den
       Geschäftsbedingungen des Anmeldeformulars stand sicherheitshalber explizit,
       dass für den Erfolg des Flirtens keine Haftung übernommen wird. Was
       überrascht ist einzig, dass der Flirt-Express ausgebucht ist. Für die zu
       spät Gekommenen hat die Bahn zum Glück einen Trost, denn "Begegnungen mit
       netten Mitfahrerinnen und Mitfahrern sind in der Bahn immer möglich, nicht
       nur am Valentinstag".
       
       Es soll nicht kulturpessimistisch klingen, doch ist die Tatsache
       desillusionierend, dass derartige Werbestrategien offensichtlich aufgehen.
       Oder manchen Banausen fehlt einfach der Sinn für Romantik im großen Stil.
       
       ## "Endlich wieder Valentinstag", freut sich Yasmin Muskala
       
       Endlich ist wieder der 14. Februar! Der Valentinstag ist ein ganz
       besonderer Tag für Paare, vor allem für die mit Kindern. Nicht, weil sie
       den Rest des Jahres nicht miteinander sprechen würden, sondern die
       Vorfreude auf das Ereignis ist eine schöne Abwechslung für zwei vom Alltag
       gebeutelte Verliebte.
       
       Ohne sich von kommerziellen Vermarktungsstrategien der Floristen oder
       Juweliere einspannen zu lassen, kann man als Paar dem Tag der Verliebten
       entspannt entgegen blicken. Wenn die Großeltern erst einmal freudestrahlend
       die Kinder abgeholt haben, werden aus "Mutti" und "Papi" wieder "Mann" und
       "Frau". Hoch im Kurs steht an solchen intimen Abenden zu zweit das
       gemeinschaftliche Kochen, Essen und Relaxen. Sehr zu empfehlen ist hier das
       Gericht Tagliatelle mit Sahnesoße und Filetspitzen. Und wenn sich dann die
       beiden Valentinsherzchen noch einig sind, dass Rosinen in das Gericht
       gehören, haben sie bei der Partnerwahl nichts falsch gemacht. Nach dem
       Essen rundet dann oft ein intimer Abend vor dem Fernseher oder ein
       Kinobesuch den Tag ab. Manche bevorzugen Komödien, andere sehen lieber den
       neuen Actionfilm mit Nicolas Cage. Wenn aus dem "ich" ein "wir sehen
       gerne..." wird, ist der Valentinstag erfolgreich verlebt.
       
       In Harmonie und Eintracht steht dann so manches, für den Abend von den
       Kindern befreites, Pärchen händchenhaltend an der Kinokasse und kann schon
       den warmen Popcornduft schnuppern. Achtung, hier ist die letzte
       Beziehungs-Hürde zu nehmen. "Süßes" oder "Salziges"? Doch der Einkauf an
       der Schlemmertheke muss nicht zwangsläufig zu einem Streit führen. Entweder
       man harmonisiert oder man ergänzt sich eben. Mit dem selbständig,
       individuell gewählten Popcorn geht’s ab in die hinterste Ecke des Kinos.
       Neben der seltenen Zweisamkeit und dem Knabberzeug kann nun auch endlich
       der Film genossen werden.
       
       Der Valentinstag eignet sich hervorragend an die gemeinsame Vergangenheit
       zu denken. Wie war die Atmosphäre vor etlichen Jahren, als man sich
       kennengelernt und zum ersten Valentinstag verabredet hat? Die prickelnde
       Stimmung in der Luft, weil man den neuen Partner noch nicht richtig
       einzuschätzen wusste. Eine aufregende Unsicherheit, weil man nicht wusste,
       ob diese Beziehung über das Stadium einer Affäre hinausgeht. In den ersten
       Zeiten gab es natürlich Blumen, das gehörte sich so. Manchmal auch etwas
       Kleines dazu, auch das gehörte sich so. Aus dieser kommerziellen Zwickmühle
       hat man sich in einer langjährigen Beziehung meisten befreit. Weg vom
       teeniehaften "Mann schenkt Frau Blumen" kommt man zu einem emanzipierten
       "Überspannte Erwartungen sind passé". Das feste Zusammengehörigkeitsgefühl
       fühlt sich jeder Herausforderung gewachsen, Auch den emotional aufgeladene
       Tagen wie Weihnachten oder eben der Valentinstag.
       
       Mit den Rückblick auf vergangene Valentinstage werden einem die neuen
       Qualitäten und Aspekte der eigenen Beziehung bewusst. Man weiß, was man
       aneinander hat und ein Blick in die Augen sagt dann mehr als tausend Worte.
       Und manchmal fliegen dann auch die Schmetterlinge im Bauch wieder.
       
       Für manchen Valentinstag-Kritiker wirken wiederkehrende Ereignisse
       vielleicht langweilig oder bieder. Aber wie bei Geburtstagen oder Jubiläen
       kann man sich darauf freuen. Im Rest des Jahres kommt die Romantik zwischen
       Arbeit, Kindern und Putzen oft ein bisschen zu kurz. Deshalb sorgt der
       Valentinstag für eine wohl kalkulierte aber trotzdem nicht abgedroschene
       Verschnaufpause. Es entfallen auch schwierige Terminabsprachen mit
       Babysittern oder Arbeitgebern. Die Großeltern freuen sich auf den Abend mit
       ihren Enkeln und der Dienstplan der Eltern kann Nachtschichten und andere
       Widrigkeiten im Vorfeld ausräumen.
       
       Am 14. Februar hat man Zeit für sich und seinen Partner, wenn man will. Und
       das ist doch das Wichtigste.
       
       13 Feb 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) K. Bueß
 (DIR) Y. Muskala
       
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