# taz.de -- Kommentar Stasi-Fälle: Der Faktor Glaubwürdigkeit
       
       > Bei ihren Stasi-Fällen macht die "Berliner Zeitung" alles richtig: Sie
       > verspricht Aufklärung und Selbstauskunft fast aller Redakteure. Auch wenn
       > das bitter ist.
       
 (IMG) Bild: "Enthauptung ganzer Verlagsbereiche": "MoPo"-Betriebsrat rechnet mit Abbau von 20 Stellen
       
       Immer wieder schweigen Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit über
       ihr Tun, bis sie von anderen enttarnt werden. Die psychologischen Muster
       von Verdrängung und Verleugnung, die dem zugrunde liegen, werden jedes Mal
       ausführlich beschrieben, wenn ein prominenter IM auffliegt.
       
       Sie sind auch jetzt interessant, im Fall der beiden Berliner
       Zeitung-Redakteure Ingo Preißler und Thomas Leinkauf. Während Preißler
       begonnen hat, sich zu erklären, schweigt Leinkauf, der die Seite drei und
       das Magazin des Blattes verantwortete. Doch: Vor allem die Leser der
       Berliner Zeitung haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie er seine
       IM-Tätigkeit heute beurteilt und - auch wenn das schwierig ist - welchen
       Einfluss seine Vergangenheit auf seine Arbeit als Redakteur hat. Immerhin
       hat er sich dabei auch mit DDR-Geschichte und der Stasi befasst.
       Journalisten stellen Öffentlichkeit her, darum hat die Öffentlichkeit ein
       Recht darauf, zu erfahren, wen sie vor sich hat.
       
       Zeitungen leben von ihrer Glaubwürdigkeit. Ist diese gefährdet, ist die
       Zeitung in Gefahr. Die Redaktion der Berliner Zeitung hat daher in der
       vergangenen Woche alles richtig gemacht: Sie hat die betroffenen beiden
       Redakteure zunächst von ihren Aufgaben entbunden, sie macht die Reaktion
       der Leser und Kollegen transparent, verspricht Aufklärung durch eine
       unabhängige Untersuchung und eine Selbstauskunft fast aller Redakteure.
       Auch wenn es bitter ist, dass gegen sie nun quasi die Unschuldsvermutung
       aufgehoben ist, ist das Prozedere notwendig.
       
       Dass es bei der Aufdeckung der IM-Fälle natürlich einen Subtext gibt - den
       Machtkampf zwischen Redaktion und Chefredakteur nach der Übernahme der
       Zeitung durch den Investor Mecom -, ist dabei zu vernachlässigen. Es wäre
       nicht angemessen, schöbe sich in der Debatte das Argument in den
       Vordergrund, auf Leinkaufs Kosten würden redaktionsinterne Konflikte
       ausgetragen. Dann würde der ehemalige Stasi-Spitzel nämlich auf einmal vom
       Täter zum Opfer. Und das ist weder den Lesern von heute noch den Verratenen
       von damals zuzumuten. HEIKE HOLDINGHAUSEN
       
       5 Apr 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heike Holdinghausen
       
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