# taz.de -- Comic-Verfilmung "Iron Man": Bill Gates mit Düsenantrieb
       
       > Jon Favreaus Superhelden-Film "Iron Man" macht viel Spaß, hat aber auch
       > Tücken: Waffenschnickschnack und grimmig-bärtige Afghanen zum Beispiel.
       
 (IMG) Bild: Toll ist er vor allem dann, wenn er im Keller seiner Riesenvilla an seiner Rüstung bastelt: Robert Downey jr. als Iron Man.
       
       Dieser Film schüttelt einen ganz schön durch. Es gibt vieles an ihm, was
       Spaß bringt. Da sind die Flugszenen, die den Eindruck erwecken, als könne
       man mit so einer eisernen Hightech-Rüstung mitten durch die Wolken rasen;
       schwerelos, schnell wie ein Düsenjäger und frei wie der Wind. Da ist
       Gwyneth Paltrow als Assistentin Virginia "Pepper" Potts, die in einer Szene
       in allerschönster Method-Acting-Manier total süß verliebt errötet; später
       kann sie dann aber auch energisch in die zum Showdown hin anstehenden
       Kämpfe eingreifen.
       
       Und da ist der Schädel von Jeff Bridges; der ist unglaublich! Bridges
       spielt den Mentor und, wie sich herausstellt, gleichzeitig auch den
       Gegenspieler des Helden - sein Kopf stellt, kahl rasiert und mit einem
       furchterregenden Bart verziert, eine Gebirgslandschaft für sich dar. Dass
       solche hochkarätigen Schauspieler sich in den Dienst dieser
       Comic-Verfilmung gestellt haben, spricht für die Bedeutung, die die Serie
       um Iron Man in den USA hat: Diese Verfilmung musste etwas Besonderes
       werden!
       
       Es gibt aber auch Aspekte, die einem ziemlich seltsam vorkommen, vor allem
       ist das: Afghanistan. Regisseur Jon Favreau hat die Verfilmung mit Hilfe
       realistischer Kampf-, Entführungs- und auch Folterszenen irgendwo im
       afghanischen Gebirge zu erden versucht. Dafür wird dann alles aus der
       Klischeekiste ausgepackt, von grimmig blickenden bärtigen Männern bis zu
       weinenden Frauen und Kindern.
       
       Als Europäer findet man zudem den militärischen Technikschick und
       Waffenschnickschnack des Films eher befremdlich. Und dass dieser Tony
       Stark, der sich im Verlauf des Films als Iron Man neu erfinden wird,
       zunächst als Waffenproduzent mit allen Insignien eines Popstars
       ausgestattet wird - Titelbilder auf Hochglanzmagazinen, Whiskygläser in der
       Hand, schnelle Autos, rasante Frauen -, erscheint einem auch
       gewöhnungsbedürftig. Als eine Art Bill Gates mit Düsenantrieb kann man sich
       diesen Menschen, der die eiserne Ganzkörpermaske für sich baut, ja durchaus
       vorstellen. Aber dass die Waffenproduktion ähnliche Coolness-Credits
       erzeugen soll wie etwa die Schauspielerei, da kommt man als softer Europäer
       nicht recht mit.
       
       Der Film folgt bei alledem aber einem raffinierten Kalkül: Es geht darum,
       diese Marvel-Comicfigur innerhalb der längst das Kino erobernden
       Superhelden zu verorten. Die "Fantastischen Vier" ist was Albernes für die
       Kids. "Catwoman" hat als Film leider nicht funktioniert; leider deshalb,
       weil die Story dieser Frau, die die Liebe hinter sich lassen muss, um das
       Heldische in sich zu leben, hätte interessant sein können. "Spiderman" ist
       die große Abendunterhaltung für die ganze Familie: intelligent,
       selbstironisch, das Superheldenhafte immer wieder mit Alltagsproblemen
       smart brechend. Dieser "Iron Man" nun soll die Zuschauer so richtig
       beeindrucken: lauterer Soundtrack, zynischerer Plot, größere Explosionen,
       farbigere Locations; dabei soll der Comic, der dem allem zugrunde liegt,
       durchscheinen, aber das Ganze soll auch als gelegentlich augenzwinkernder
       Actionfilm durchgehen.
       
       Dass das gelingt, liegt an Robert Downey Jr., der den Iron Man spielt. Den
       zynischen Erfinderpopstar zu Beginn gibt er mit Bravour. Bei den
       Actionszenen stört er nicht - er trägt ja sowieso seine eiserne Rüstung.
       Toll ist er vor allem dann, wenn er im Keller seiner Riesenvilla an seiner
       Rüstung bastelt - allein mit sich, einer Vielzahl von Computerbildschirmen
       und einigen Robotern.
       
       Diese Szenen sind der Kern des Films. Robert Downey Jr. experimentiert als
       Tony Stark mit der Flugfähigkeit seiner Rüstung, baut hier noch eine Rakete
       ein, da noch eine Steuerungseinheit - und wirkt dabei gleichzeitig so
       einsam und so bei sich wie ein kleiner Junge, der sich aus seinem Leben
       heraus- und in ein größeres Ich hineinfantasiert. In diesen Szenen bekommt
       der Superheld etwas Rührendes: ein Mann, der nicht allein sein will und
       sich seine Spielkameraden selbst zusammenbastelt.
       
       Gerade in diesen doch sehr comichaften Sequenzen spielt der Film den realen
       Klartext des Comics durch: Am Beginn des Superheldendaseins steht das
       Fantasieren. Seltsam nur, dass gerade die realistischen Szenen des Films -
       etwa in Afghanistan oder auch in der Kommandozentrale der US-Air-Force -
       dagegen wie ein Comic wirken.
       
       30 Apr 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dirk Knipphals
       
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