# taz.de -- Extremismus und Gewalt: Innensenator differenziert Verfassungsfeinde
> Längst nicht alle Extremisten sind gewaltbereit, betont Körting bei der
> Vorstellung des Verfassungsschutzberichts.
(IMG) Bild: Rangelei vor dem kurzzeitig besetzten Haus am Michaelkirchplatz
2.210 Linksextremisten hat der Verfassungsschutz im vergangenen Jahr in
Berlin gezählt. Das Potenzial der Rechtsextremisten liege bei 2.190. Gar
4.670 Personen lassen sich extremistischen Ausländerorganisationen
zurechnen, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2007, den Innensenator
Ehrhardt Körting (SPD) am Mittwoch vorstellte. Dennoch warnte der Senator
vor Panikmache. Denn die Schlussfolgerung, dass insgesamt 9.000 Berliner
Anschläge planen würden, sei falsch.
Eine Zusammenfassung aller Islamisten, wie sie etwa im
Bundesverfassungsschutzbericht vorgenommen werde, verwische die Probleme,
kritisierte Körting. Denn von den bundesweit 33.000 Islamisten würden
allenfalls 20 tatsächlich dazu neigen, in Deutschland Anschläge zu planen.
Im Bericht der Berliner Landesbehörde würden daher vor allem extremistische
Ausländer differenziert betrachtet. So seien islamistische Organisationen
wie Milli Görüs oder die Muslimbruderschaft absolut gewaltablehnend,
betonte der Senator. "Sie verfolgen zwar Ziele, die in Teilen nicht mit
unseren Vorstellungen übereinstimmen", sagte Körting, dennoch halte er sie
für dialogfähig.
Problematischer seien die hiesigen Ableger von Hamas und Hisbollah. Zwar
würden auch die keine Anschläge in Berlin planen, aber sie würden
Gewaltaktionen im Libanon oder in Gaza unterstützen und finanzieren.
Deshalb könne es mit solchen Organisationen auch keinen Dialog geben, so
Körting.
Ähnliche Unterscheidungen nimmt der Berliner Verfassungsschutz bei den
Rechtsextremisten vor. "Die NPD übt selbst keine Gewalt aus", sagte
Körting. Zwar hätten einzelne Funktionäre Straftaten begangen, dennoch
könne man das nicht der Partei anlasten. Denn sie sei offensichtlich
bemüht, den Schein der Verfassungstreue zu wahren.
Auch auf der linken Seite gucken die Verfassungsschützer genau hin. Die
anhaltende Serie von Brandanschlägen auf Autos bereite ihm Sorgen, meinte
Körting. Er vermute dahinter eine Frustration bei Teilen der Autonomen, die
selbst in der linken Szene nicht akzeptiert würden.
Doch auch bei den registrierten Linksextremisten gilt nur die Hälfte als
aktionsorientiert und gewaltbereit. Vor allem die Ausschreitungen bei der
Demonstration im Juni 2007 gegen den G-8-Gipfel in Rostock hätten zu
heftigen Diskussionen im linken Spektrum geführt, sagte die
Verfassungsschutzchefin Claudia Schmid. Daher habe der
Weltwirtschaftsgipfel auch nicht zu dem in der Linken erhofften starken und
dauerhaften Bündnis geführt. GEREON ASMUTH
29 May 2008
## AUTOREN
(DIR) Gereon Asmuth
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