# taz.de -- Jesse Jackson beleidigt Präsidentschaftskandidat: "Obama macht Schwarze schlecht"
> Hinter der Kamera zog der Bürgerrechtler über Barack Obama her, weil der
> schwarze Väter kritisiert hatte. Pech, dass es Aufnahmen davon gibt. Nun
> hat er seinen eigenen Sohn gegen sich.
(IMG) Bild: Mit kritischem Blick wacht Jesse Jackson (links unten) über das, was Obama zu afroamerikanischen Themen zu sagen hat.
Reverend Jesse Jackson, einer der führenden Köpfe der schwarzen
Bürgerrechtsbewegung, hat sich entschuldigt - ausgerechnet beim
demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama. Jackson hatte
nämlich am Sonntag im Fox News Channel, kurz vor einem Interview, gegenüber
einem anderen Gast böse über Obama gelästert. Dabei vergaß er wohl, dass in
Fernsehstudios die Mikrofone meist schon auf Lauschfunktion gestellt sind,
bevor die Kameras auf Sendung gehen, und jede noch so kleine Regung der
Anwesenden aufzeichnen.
Festgehalten ist nun die Bemerkung Jacksons, Obama diskreditiere die
Schwarzen. Aber nicht nur das: "I want to cut his nuts out", fügte Jackson,
der seit Jahren mit Obamas Frau, Michelle, persönlich bekannt ist, nach
Ohrenzeugenberichten hinzu. Was so viel heisst wie: Er würde ihm gerne die
Eier abschneiden.
Jackson, der 1984 als erster Schwarzer um die demokratische
Präsidentschaftskandidatur kämpfte - allerdings erfolglos, bezog sich mit
seinen abfälligen Bemerkungen auf Obamas jüngste Moralpredigten vor
Kirchenbesuchern in Chicago, in denen dieser kritisierte, afroamerikanische
Männer kämen ihrer Verantwortung als Väter nicht nach. Jackson
kommentierte, Obama solle lieber die Politik und die Regierung in
Washington für den Zerfall schwarzer Familien verantwortlich machen.
Zunächst hatten sich, so berichtet die britische Tageszeitung Guardian, die
Fernsehstationen geweigert, die Äußerungen Jackson wiederzugeben. "Zu
gemein", befand CNN-Mann Wolf Blitzer. Schließlich strahlte Fox Television
doch in der Nacht zum Donnerstag Aufnahmen aus, auf denen zumindest zu
hören ist, wie Jackson sagt: "Barack macht die Schwarzen schlecht."
Doch da hatte Jackson schon längst eine Stellungnahme lanciert, in der er
ausgiebig Obamas Kandidatur für den Posten im Weissen Haus preist. Seine
Unterstützung für Senator Obamas Kampagne sei eindeutig. Für eventuell
entstandene Kränkungen und Schäden, die das Privatgespräch verursacht haben
könnte, entschuldige er sich ausdrücklich.
Obamas Wahlkampfquartier hat die Entschuldigung angenommen. Pikant ist
jedoch, dass der Vizeleiter von Obamas Kampagne ausgerechnet Jesse Jackson
Jr. heisst und sich gemüßigt sah, selbst die Bemerkungen seines Vaters zu
kommentieren. Obwohl er ihn liebe, so Jackson Jr., "lehne ich die hässliche
Rhetorik meines Vaters zutiefst ab". Er solle doch bitte jegliche
persönlichen Attacken und Angriffe für sich behalten.
Bill Burton, ein weiterer Sprecher von Obama fügte hinzu, der Senator würde
als jemand, der ohne Vater aufgewachsen sei, das Thema elterlicher
Verantwortung schon seit Jahren immer wieder ansprechen und dabei auch
nicht unter den Tisch fallen lassen, wie wichtig es sei, dass Väter am
Leben ihrer Kinder Anteil nähmen.
Jesse Jackson Senior selbst spielt in Obamas Kampagne keine offizielle
Rolle. Es soll jedoch, so die New York Times, in der Vergangenheit schon zu
Spannungen zwischen Jackson und dem Obama-Lager gekommen sein. Jackson ist
bekannt für deftige Sprüche und ein ausgesprochenes Geltungsbedürfnis.
Die Bemerkungen Jacksons lassen jedoch den Riss zwischen Obama und der
älteren Generation schwarzer Politiker, die aus der Bürgerrechtsbewegung
kommen, deutlicher werden. Der könnte einem Kandidaten, der sich jenseits
der ethnischen Spaltungen der Gesellschaft zu positionieren versucht, noch
schwer zu schaffen machen. Nicht wenige in der schwarzen Community nehmen
ihm seine Distanzierung von seinem früheren Pastor Jeremiah Wright übel,
dessen umstrittene Äußerungen zu Amerikas Mitverantwortung für den 11.
September bei den demokratischen Vorwahlen als Munition gegen Obama in
Stellung gebracht wurden.
Zudem ist er momentan in Erklärungsnot, was seine veränderte Haltung zu
bestimmten Themen, inklusive den Irakkrieg, angeht. Obama selbst, so der
"Guardian", bestreitet, dass er aus wahltaktischen Gründen ins Zentrum
gerückt sei. "Die Menschen, die das behaupten, haben mir anscheinend nicht
zugehört", sagte er dazu in Atlanta.
10 Jul 2008
## AUTOREN
(DIR) Oliver Pohlisch
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Forderung nach Zeitplan für Truppenabzug: Obama unterstützt Iraks Regierung
Iraks Forderung nach einem Rückzugs-Zeitplan für US-Truppen findet
Zustimmung bei Barack Obama. Hingegen sagt das weiße Haus: Verhandelt wird
nicht.
(DIR) Obama vor dem Tore: Mrs Merkel, open this gate!
Der US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama will am Brandenburger Tor
reden. Könnte er nicht auf einen anderen Ort ausweichen? Die taz hat
Alternativen überprüft und kommt zu einem sehr eindeutigen Ergebnis.