# taz.de -- Fusion auf dem Biermarkt: "Viele Biere sind austauschbar geworden"
> Anders als bei den Großkonzernen schmeckt das Bier von Pinkus nicht immer
> gleich, sagt Brauingenieur Friedhelm Langfeld. Soll es auch nicht.
(IMG) Bild: Alles eine Plörre
taz: Herr Langfeld, muss man größer werden, um zu überleben?
Friedhelm Langfeld: Das würde ich infrage stellen. Pinkus ist immer klein
gewesen. Wir sind ein Familienbetrieb mit 18 Angestellten - Verwaltung,
Produktion, Abfüllung, Fahrer - und zufrieden damit, wie es ist.
Sorgen Sie sich denn, dass es nicht so bleibt?
Wir sind nicht die Werbeprofis. Aber wir sind uns darüber im Klaren, dass
man die Marke ausbauen könnte - mit Kapitaleinsatz. Damit begibt man sich
aber in gefährliches Fahrwasser. So versuchen wir das, was der Markt
fordert, mengenmäßig zu bedienen - so wie wir aufgestellt sind.
Was fordert der Markt?
Bio boomt. Pinkus Müller hat schon vor drei Jahrzehnten auf diese damalige
Nische gesetzt. Wir wollten Qualität und Nutzen für die Umwelt, nicht
schnelles Geld. Jetzt merken wir, dass richtig Bedarf da ist, und solange
der besteht, sind wir gut ausgelastet.
Die großen Brauereien steigen in den Markt ein. Bereitet Ihnen das Sorgen?
Natürlich bedeutet der Bioboom auch, dass andere Brauereien auf den Zug
aufspringen. Nur die Kleinen allein könnten die Nachfrage derzeit nicht
bedienen. Die Frage ist ja, wo die Glaubwürdigkeit bleibt - besonders wenn
"Neuzugänge" nicht die gesamte Produktion auf Bio umstellen. Wir hoffen,
dass uns unsere Stammtrinker treu bleiben.
Wer trinkt denn Ihr Bier?
Ein Teil unserer Stammkunden, 50, 60 plus, hat unser Bier schon getrunken,
als es noch nicht Bio war. Dann gibt es die Touristen in Münster. Die
Hälfte unserer Kunden sind aber sicher Leute, die bewusst Biobier kaufen.
An welchem Geschmack orientiert sich Ihre Brauerei?
Was uns als Familie schmeckt, wird ja dem ein oder anderen auch schmecken.
Von unseren Mitbewerbern sind wir weniger beeinflusst als von den
Verbrauchern. Wenn etwas nicht mehr im Trend liegt, hören wir deshalb auch
nicht damit auf - denn es gibt sicher Verbraucher, die genau das vermissen
würden.
Hat sich der Geschmack in den letzten Jahren geändert?
Ja. Viele Biere sind austauschbar geworden. Echte, eigenständige
Geschmacksbilder - wie früher ein wirklich herbes Pils - findet man heute
kaum. Die Biere wurden aneinander angeglichen. Ein Teil in der Bevölkerung
mag aber das Herbe und vermisst es. Unser Bier unterscheidet sich, und
schmeckt nicht immer gleich.
Wie das?
Bei unseren Mengen können wir auch die Zutaten nicht so verschneiden, dass
immer der gleiche Geschmack rauskommen könnte, so wie das bei den Großen
ist. Das Getreide, der Hopfen unterscheiden sich Jahr für Jahr. Das ist wie
mit einem Apfel am Baum, da schmeckt auch nicht jede Frucht gleich. Ich
sage immer: Das Bier muss nicht immer gleich sein, aber es muss immer gut
sein.
Warum ist von den Dutzenden Altbierbrauereien in Münster nur Ihre übrig
geblieben?
Dafür gibt es viele Gründe. Die eine hatte vielleicht keinen Nachfolger,
die andere wurde verkauft, weil man lieber schnell die Taschen voll Geld
hatte. Jeder Fall liegt anders, und vieles ist auch historisch bedingt.
Sie haben nie an eine Kooperation oder einen Verkauf gedacht?
Nee, nee, nee, niemals. Aus unserer Sicht ist das der Anfang vom Ende. Denn
wir sind nicht die starke Marke. Beim Kauf von kleinen Brauereien ging es
ja meist nicht um Hektoliter und nicht um die Marke, sondern um die
Immobilie.
INTERVIEW: CHRISTINE ZEINER
15 Jul 2008
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