# taz.de -- Kommentar Brauerei-Fusion: Global denken, im Lokal trinken!
       
       > Der Trend zur Einheitsplörre ist längst auf dem deutschen Markt
       > angekommen. Doch die Gegenbewegung ist auch schon da: Das regional
       > gebraute, kleine, wahre Bier. Wohl bekomm's!
       
       Selten war das Bild vom Großkonzern, der einen anderen schluckt, so
       angebracht. Gemessen am Bierausstoß ist die amerikanische Dünnbierbrauerei
       Anheuser-Busch ("Bud") weltweit die Nummer drei. Jetzt geht sie für 52
       Milliarden US-Dollar an den globalen Marktführer InBev, der so noch ein
       bisschen größer wird. Rechnerisch gesehen kommt dann jedes vierte Bier
       weltweit vom neuen globalen Brauverbund. Dessen Name klingt nicht nur nach
       Systemgastronomie - sein Bier schmeckt meist auch so.
       
       Der Trend zu immer größeren Braukesseln folgt marktwirtschaftlicher Logik:
       Die Stammtrinker in den alten Absatzmärkten sterben aus oder trinken
       weniger. Selbst bei den Europameistern Deutschland und Tschechien geht der
       Bierkonsum zurück. Und neue Märkte in Fernost, Südamerika und anderswo? Die
       lassen sich nun mal leichter von multinationalen Konzernen aufrollen als
       vom Mittelstandsbetrieb aus Franken.
       
       Der Trend zum Großgebinde geht oft auf Kosten der Qualität. Doch die
       Großbrauereien kümmert das nur am Rande. Denn bei neuen Biermarken wie
       "Becks Gold" oder Biermischgetränken mit Limone oder Grüntee geht es mehr
       ums richtige Marketing als um den guten Geschmack.
       
       Der Trend zur Einheitsplörre ist längst auf dem deutschen Markt angekommen.
       Die Oetker-Gruppe etwa hält in ihrer einzigen Dortmunder Großbrauerei die
       Markenvielfalt von sieben einst unabhängigen, nicht eben kleinen
       Bierkonzernen am Leben. Die spiegelt sich aber fast nur noch in den
       unterschiedlichen Etiketten wider.
       
       Doch die Gegenbewegung ist längst da: Es wird wieder regional gebraut und
       getrunken. Dieser Trend beschränkt sich nicht mehr allein auf die ohnehin
       noch wunderbar vielfältigen Bierregionen in Süddeutschland. Er regt sich
       längst bundesweit.
       
       Es liegt jetzt am Einzelhandel, auf diese Entwicklung zu reagieren: Er muss
       regionale Marken ins Sortiment aufnehmen, damit die Geschmacksoffensive der
       kleinen, wahren Biere weitergeht. Etwas teurer als das genormte Gebräu der
       internationalen Multis wird es schon werden. Doch das sollte es allen
       Verbrauchern wert sein. Bier ist schließlich ein Lebensmittel.
       
       15 Jul 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
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