# taz.de -- Kommentar Krieg im Kaukasus: Heldenhafter Verteidiger Russland
> Moskau und Tbilissi wollen den Konflikt. Beiden kommt eine
> Auseinandersetzung nicht ungelegen.
(IMG) Bild: Georgische Truppen feuern Raketen auf das Gebiet der Separatisten ab.
Die "verfassungsmäßige Ordnung wiederherstellen" - mit diesem Argument
begründete Moskau seine mörderischen Kriege gegen Tschetschenien, die in
den Neunzigerjahren Zehntausende das Leben kosteten. Jetzt bedient sich
Tbilissi der gleichen Formulierung, um seine Militärintervention in der
abtrünnigen Republik Südossetien zu rechtfertigen. Weil Russland seine
Truppen in das Krisengebiet entsandt und Abchasien angekündigt hat, die
Südosseten zu unterstützen, steht die Region jetzt vor einem neuen Krieg.
So zynisch es angesichts der ersten Toten klingt: Eine Eskalation des
Konflikts käme sowohl Georgien wie auch Russland nicht ungelegen. Michail
Saakaschwili, Georgiens Präsident und Washingtons engster Verbündeter in
der Region, ist innenpolitisch angeschlagen - trotz seiner Wiederwahl im
Januar und dem Sieg seiner Partei bei den Parlamentswahlen vor drei
Monaten. Seit er vor vier Jahren sein Amt antrat, hatte sich der einstige
Hoffnungsträger der "Rosenrevolution" zum Ziel gesetzt, Südossetien und
Abchasien wieder unter georgische Hoheit zu bringen. Die
Militärintervention könnte ein Versuch sein, sich zu Hause etwas Luft zu
verschaffen - und außerdem seiner Forderung nach einer Nato-Mitgliedschaft
seines Landes mehr Nachdruck zu verleihen.
Russland wiederum nutzt die Krise, um sich einmal mehr als heldenhafter
Verteidiger bedrohter Landsleute in den Nachbarrepubliken aufzuspielen. Das
bedient den Nationalismus der territorial amputierten Großmacht.
Konfliktregionen wie Abchasien, Südossetien oder Transnistrien bilden schon
lange Russlands Experimentierfeld, um auf die Politik im "nahen Ausland"
Einfluss zu nehmen. Nicht zuletzt ist Moskaus Verhalten auch eine Revanche
gegenüber dem Westen, der die von Russland bekämpfte Unabhängigkeit des
Kosovo unterstützt hat.
Seit Monaten schon gab es Scharmützel zwischen Moskau und Tbilissi. Jetzt
rächt es sich, dass der Westen kein Konzept hat, wie er mit solchen
Konflikten umgehen soll. Noch besteht die Möglichkeit, das Schlimmste
abzuwenden - etwa durch Verhandlungen zwischen Russland, Georgien, Nord-
sowie Südossetien unter der Ägide der OSZE. Wenn die Beteiligten
mitspielen.
8 Aug 2008
## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Krieg im Kaukasus: Ordnung durch Asche
Eskalation zwischen Georgien und Südossetien: Georgien versucht die
Kontrolle über die abtrünnige Provinz zu gewinnen. Deren Schutzmacht
Russland ist mit Panzern eingerückt.
(DIR) Krieg im Kaukasus: Es droht ein Flächenbrand
Sollte Abchasien stärker in den Konflikt involviert werden, könnte es im
Kaukasus zu einer Kettenreaktion kommen.