# taz.de -- Nützlicher als gedacht: Artenvielfalt steigert Ertrag
       
       > Wenn viele verschiedene Bienenarten die Pflanzen bestäuben, können die
       > Bauern mehr ernten. Doch mit dem Sterben der Bienen, ist auch die
       > Artenvielfalt bedroht.
       
 (IMG) Bild: Bei Bienen gilt: Nicht nur je mehr desto besser, sondern je vielfältiger desto besser.
       
       Artenvielfalt kann ein ganz ökonomischer Faktor sein. Nämlich dann, wenn es
       um den Ertrag von Nutzpflanzen geht. Das haben Wissenschaftler der
       Universität Göttingen herausgefunden. Sie haben die Bestäubung von
       Kürbisflanzen durch Wildbienen untersucht. Das Ergebnis: Je mehr
       Bienenarten die Pflanzen bestäuben, desto höher ist der Ertrag.
       
       „Die Artenvielfalt der Bienen ist entscheidender als ihre Gesamtzahl“, sagt
       Studienleiter Teja Tscharntke. Die Ursache dafür sieht er nicht nur im
       unterschiedlichen Körperbau der Bienen, sondern vor allem in dem
       unterschiedlichen Verhalten der Arten. So seien die Bienen zu verschiedenen
       Tageszeiten aktiv, bestäubten die Pflanzen in anderen Höhen und auch mit
       einer unterschiedlichen Intensität. Die Ertragssteigerung maßen die
       Forscher durch die Zahl der Samen. Die stieg mit einem Maximum von 25
       Bienenarten auf das Zwei- bis Dreifache.
       
       Für die in Deutschland verbreitete, intensive Landwirtschaft sei das
       Ergebnis nur mäßig interessant, so Tscharntke. „Hier gibt es die Tendenz,
       sich von der natürlichen Bestäubung unabhängig zu machen.“ Während manche
       Pflanzen wie Weizen und Mais ohnehin durch Wind bestäubt werden, setzen
       Landwirte in den USA mittlerweile gezielt Honigbienen zur Bestäubung ein.
       Eine Ausnahme sei Raps, bei dem auch bei intensiver Landwirtschaft der
       Ertrag bei der Bestäubung durch Wildbienen zunehme. Dazu kommen die
       Obstbäume, die auf die Bienen angewiesen sind. Einen Großteil der
       Bestäubungsarbeit leisten dabei nicht die Honigbienen, sondern die rund 500
       frei lebenden Wildbienenarten.
       
       Die Landwirte in Deutschland fordert Tscharntke daher auf, den Tieren auch
       einen Lebensraum zu geben. „Wir brauchen blütenreiche Lebensräume für die
       Wildbienen“. Das sei besonders wichtig angesichts dessen, dass die
       Honigbienenhaltung zunehmend unrentabel werde und damit nicht mehr zum
       Bestäuben zur Verfügung stünden. Und auch das Bienensterben lasse die Zahl
       der Tiere sinken. Ursachen dafür sind unter anderem Umweltverschmutzung und
       Pestizide. So sind alleine in der ersten Jahreshälfte in Bayern rund 330
       Millionen Bienen gestorben – durch zwei Pestizidsorten. In Kalifornien hat
       ein massenhaftes Sterben der Tiere zu enormen Einbrüchen in der Mandelernte
       geführt.
       
       Die Ergebnisse der Studie sind nicht nur für die Ertragssteigerung wichtig,
       sondern auch für die biologische Schädlingsbekämpfung. „Wir vermuten auch
       hier, dass der Erfolg um so größer ist, je vielfältiger die eingesetzten
       Arten sind“, sagt Tscharntke. Doch zunächst wollen die Wissenschaftler ihre
       Erkenntnisse noch an anderen Pflanzen überprüfen. Derzeit laufen Studien
       mit Kakao, Mandeln und Kirschen.
       
       12 Aug 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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