# taz.de -- EU droht Russland: Krieg der Worte
       
       > Der Kaukausus-Krisengipfel der EU wird über Sanktionen gegen Moskau
       > beraten, so Frakreichs Außenminister Kouchner. Russlands Außenminister
       > Lawrow reagierte darauf mit Hohn und Spott.
       
 (IMG) Bild: Fand deutliche Worte angesichts der EU-Sanktionsdrohungen: Russlands Außenminister Lawrow.
       
       MOSKAU/PARIS rtr/ap/taz Im Kaukasuskonflikt wird der Ton zwischen Russland
       und dem Westen immer schärfer. Frankreich bringt jetzt erstmals die
       Möglichkeit von EU-Sanktionen gegen Moskau ins Spiel. Die französische
       EU-Ratspräsidentschaft erklärte, der Georgien-Sondergipfel der Europäischen
       Union werde am Montag auch über Sanktionen gegen Russland beraten.
       
       Außenminister Bernard Kouchner sagte, die EU bemühe sich um eine
       einheitliche Haltung, um zu demonstrieren, dass sie mit dem Geschehenen
       nicht einverstanden sei. Er machte zugleich deutlich, dass Frankreich nicht
       zu den Ländern gehöre, die Strafmaßnahmen fordern. "Ich schlage sie nicht
       vor."
       
       Der russische Außenminister Sergej Lawrow kritisierte die EU-Überlegungen
       zu Sanktionen als ein Produkt "krankhafter Fantasie". "Das ist eine
       Demonstration völliger Konfusion." Die EU sei "einfach enttäuscht", dass
       ihr "kleiner Schoßhund" Georgien die "Erwartungen nicht erfüllt" habe,
       sagte Lawrow am Donnerstag in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe.
       
       Zuvor hatte Russlands Präsident Dmitri Medwedjew in einem Telefonat mit
       seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy Moskaus Forderungen in der
       Kaukasuskrise bekräftigt. Medwedjew habe in dem einstündigen Gespräch
       darauf gedrängt, dass Georgien seine Truppen, wie in dem von Frankreich
       vermittelten Friedensplan vereinbart, in die Stützpunkte zurückziehen
       müsse, teilte das russische Präsidialamt am Donnerstag mit.
       
       Russland hat zwölf georgische Soldaten freigelassen, die vor zwei Wochen
       bei den Kämpfen in Poti festgenommen wurden. Die Übergabe erfolgte an der
       Grenze zwischen Abchasien und Georgien. Die Soldaten schienen wohlauf zu
       sein.
       
       Das "unabhängige" Südossetien meldete derweil den Abschuss einer
       georgischen Drohne. Das unbemannte Aufklärungsflugzeug sei von örtlichen
       Streitkräften am Donnerstag abgeschossen worden, sagte der Innenminister
       der Region. Nach Angaben von Michail Mindsajew war die Drohne von Süden -
       also Georgien - aus in den südossetischen Luftraum geflogen. Die Regierung
       in Tiflis wies Mindsajews Angaben zurück. Georgien habe keine Drohne nach
       Südossetien geschickt, sagte der georgische Innenministeriumssprecher
       Schota Utjaschwili.
       
       Inmitten der Georgien-Krise findet derzeit im Schwarzen Meer ein
       Flottenmanöver der Nato statt, an dem vier Schiffe, darunter auch die
       deutsche Fregatte "Lübeck", beteiligt sind. Das Manöver sei seit langem
       geplant und habe nichts mit der derzeitigen Krise im Osten des Schwarzen
       Meeres zu tun, teilte das Militärbündnis am Donnerstag mit.
       
       Unterdessen warf die ukrainische Botschafterin in der Slowakei, Inna
       Ogniwets, Moskau vor, immer mehr Einwohner der Halbinsel Krim mit
       russischen Pässen auszustatten. "Nach Georgien könnte als Nächstes die
       Ukraine an der Reihe sein", sagte Ogniwets der BBC. Die Regierung in Kiew
       habe Mitarbeiter des russischen Außenministeriums aufgefordert, die Krim
       innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Andernfalls würden sie zu
       unerwünschten Personen erklärt. Zwar sei dieser Aufforderung Folge
       geleistet worden, dennoch gehe die Verteilung russischer Pässe weiter, so
       Botschafterin Ogniwets.
       
       Nach Angaben der ukrainischen Internetzeitung Ukrainska Prawda forderte die
       Spitze der Partei der Regionen auf der Krim ihre Abgeordneten im Parlament
       in Sinferopol gestern auf, einen Gesetzentwurf über die Anerkennung der
       Unabhängigkeit von Abchasien und Südossetien einzubringen. Es gehe darum,
       die Position von Parteichef Wiktor Janukowitsch in Kiew zu unterstützen,
       hieß es. Dieser hatte gefordert, die Ukraine solle die Unabhängigkeit der
       beiden von Georgien abtrünnigen Landesteile anerkennen.
       
       29 Aug 2008
       
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