# taz.de -- Deutsche Bank steigt bei Postbank ein: Das ungleiche Paar
> Die Deutsche Bank übernimmt 30 Prozent der Postbank, ein späterer
> Komplettkauf ist nicht ausgeschlossen.
(IMG) Bild: Die Postbank bringt das Kleinvieh mit, das auch Mist macht.
Man kann die Geschichte auch so erzählen: Sie ist eine kühle und
erfolgreiche Powerfrau, auf dem internationalen Parkett zu Hause, wegen
manchmal zu demonstrativem Selbstbewusstseins und Profitstrebens nicht sehr
beliebt, aufgrund ihres Erfolgs aber stets geachtet. Er hingegen ist
bodenständig bis provinziell, war mal Beamter. Er wirtschaftet solide,
kennt die Leute mit kleinen und mittlerem Einkommen, hilft gern beim
Hauskauf und fühlt sich in kleinstädtischer Architektur wohler als in
glitzernden Hochhaustürmen. Können diese beiden miteinander glücklich
werden?
Ja, sagt zumindest Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. "Wir haben immer
gesagt, dass die Postbank strategisch gut passen würde", sagte er bereits
am Mittwoch. Schließlich waren die beiden ja schon mal fast ein Paar. 2004
hatte es bereits Übernahmegespräche gegeben. Ausgerechnet in der Zeit, als
die Postbank für ihren Börsengang warb, machte die damalige Regierung
Schröder Druck. Der Wunsch: die Postbank, an der der Bund indirekt
beteiligt ist, möglichst gewinnbringend versilbern, denn an der Börse war
das Interesse geringer als erwartet. Gleichzeitig hätte man den nationalen
Champion Deutsche Bank im Inlandsgeschäft noch stärker gemacht, damit
dieser international mithalten kann. Das hat aber nicht geklappt, weil der
damalige Postchef Zumwinkel zu viel Geld wollte.
Jetzt sind sich beide Seiten aber offenbar einig, möglicherweise wird schon
an diesem Freitag der Deal im Post-Aufsichtsrat abgesegnet (siehe Spalte).
Die beiden lassen es langsam angehen, erst mal nur knapp ein Drittel der
Anteile will die Deutsche Bank erwerben. Doch dabei dürfte es nicht
bleiben, die Post will ihre Bank ganz loswerden und sich nur noch auf
Logistik spezialisieren. Und die Deutsche Bank ist eigentlich die letzte
Chance für eine Fusion mit einen anderen Inlandsinstitut in absehbarer Zeit
- und umgekehrt.
Schließlich haben sich rundherum die Banken schon zusammengeschlossen, viel
Auswahl bleibt für beide nicht. Es gibt ja auch einen guten Grund für den
Zusammenschluss, beide Banken ergänzen sich gut. Die Deutsche Bank ist
stark im Investmentbanking und spielt auf den großen Börsenplätzen diese
Welt. Das kann hohe Gewinne bringen, ist aber auch risikoreich, wie nicht
erst die US-Hypothekenkrise gezeigt hat. In solchen Zeiten lernt man das
Kleinvieh zu schätzen - die Privatkunden mit ihren Girokonten, Sparplänen
und Konsumkrediten. Damit lässt sich gutes Geld verdienen, wie die Postbank
zeigt: Zwar hat die Finanzmarktkrise die Halbjahresbilanz mit gut 300
Millionen Euro belastet. Aber am Ende stand noch immer ein Plus von 337
Millionen Euro, am Jahresende soll der Gewinn wieder bei gut einer
Milliarde Euro liegen. Die Bank setzt auf ein Stammkundenkonzept mit dem
Namen "Next step". 4,7 Millionen sind es bereits, bis Ende 2010 sollen 5,2
Millionen sein - Wachstum Schritt für Schritt, alles ohne windige
Bündelprodukte mit wackligen Krediten.
Allerdings bliebt die Frage, was die Postbank selbst von dem Einstieg der
Deutschen Bank haben wird. Nichts, außer dem Verlust von Arbeitsplätzen,
befürchten die zuständigen Gewerkschaften Ver.di und DPV und verweisen auf
die geplanten Stellenstreichungen durch die Übernahme der Dresdner Bank
durch die Commerzbank. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der
Deutschen Post werden einen Verkauf ablehnen, sagte Ver.di-Chef Frank
Bsirske gestern. Ein Sprecher von Ver.di erklärte zudem, dass die
Mitglieder auch zum Streik bereit wären, wenn ihnen keine verbindlichen
Zusagen zur Arbeitsplatzsicherheit gemacht würden.
Ähnlich äußerte sich auch die DPV, in der unter anderem 12.000 Beamte
organisiert sind, die noch in der Postbank arbeiten. Sollte sie einmal
vollständig in einer anderen Bank aufgehen, müssten diese anderweitig
eingesetzt werden. Wo, sei völlig offen, erklärte die Gewerkschaft. Deshalb
müsse die Postbank rechtlich Sondervermögen des Bundes bleiben. Andernfalls
werde die Gewerkschaft die betroffenen Beamten bei einer Verfassungsklage
unterstützen.
12 Sep 2008
## AUTOREN
(DIR) Stephan Kosch
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