# taz.de -- Kommentar Südafrika: Die Destabilisierung geht weiter
       
       > Das vorzeitige Ende von Thabo Mbeki stürzt den ANC in die tiefste Krise
       > seit ihrer Gründung. Den Preis für das unnötige Debakel wird die Partei
       > an den Wahlurnen zahlen.
       
 (IMG) Bild: Steht vor einem Comeback: Jacob Zuma.
       
       Das politische Machtspiel des ANC in Südafrika ist tragisch: Es bringt die
       Partei intern in die tiefste Krise seit ihrer Gründung. Nicht nur Präsident
       Thabo Mbeki ist gestürzt, sondern die gesamte Partei. Es gab immer
       Fragmente in der früheren Befreiungsbewegung, die sich nach außen gut
       verkaufen ließ und nicht zuletzt durch Mbekis Führungsstil im Ausland und
       bei Investoren Anerkennung fand. Jetzt aber gibt es kaum Hoffnung, dass
       sich der ANC inhaltlich auseinandersetzt und stärker zur stabilen Partei
       formiert.
       
       Mbeki hat Fehler gemacht, etwa mit seiner zögerlichen Anti-Aids-Politik und
       seiner Dickköpfigkeit gegenüber Andersdenkenden. Er hat versäumt, die
       murrende, arme Bevölkerung und die linke Allianz zu überzeugen, dass die
       Regierung langfristig in ihrem Interesse handelt. Dadurch schaffte er Raum
       für den Populisten Zuma. Der kämpfte sich in den Institutionen an 783
       Korruptionsvorwürfen vorbei. Zusätzlich machte die ANC-Jugendliga für ihn
       Stimmung. Es fehlen die Autoritäten in der Partei, die die gedankenlosen
       Rüpel in der Jugendliga zur Räson riefen. Im Gegenteil: Dieser Flügel im
       ANC, der mit der Linken verkündet, das Land zu antiimperialistischen Höhen
       ohne Armut zu bringen, hat nun Oberwasser. Sein Motiv: Rache an Mbeki, der
       einen kapitalistischen, aber stabilen Kurs fuhr und den Konkurrenten Zuma
       jedoch politisch womöglich durch "Verschwörungen" verdrängen wollte.
       
       Den Präsidenten ohne Beweise für seine Intrigen zu feuern, führt nun zu
       Vertrauensverlusten bei Investoren und schürt Ängste bei der wachsenden
       Mittelklasse. Mbeki tat dem ANC einen Gefallen, ohne Machtkampf abzutreten.
       Damit erspart er sich und der Partei das Misstrauensvotum.
       
       Den Preis für das unnötige Debakel wird die Partei an den Wahlurnen im
       nächsten April zahlen, wenn eventuell ihre Zweidrittelmehrheit und die
       Wahlbeteiligung schwinden und sie bei Amtsantritt den angerichteten Schaden
       ausbügeln muss. Eine politische Alternative für schwarze Wähler täte der
       Demokratie des Landes gut, doch dafür benötigt es noch mehr Zeit.
       
       22 Sep 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martina Schwikowski
       
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