# taz.de -- Kommentar Kongo: Im Kongo ist die UNO gescheitert
> Nach dem Scheitern der Politik im Kongo müssten Friedensgespräche mit
> Ostkongos Rebellen geführt werden. Andernfalls riskiert die UNO, dass
> ihre Kongo-Mission platzt.
Die Rebellen des Tutsi-Generals Laurent Nkunda im Osten der Demokratischen
Republik Kongo haben die Metropole Goma erreicht und die Regierungsarmee in
die Flucht geschlagen. Das ist nicht nur deshalb von Bedeutung, weil das
humanitäre Drama um den Krieg im Ostkongo die Dimensionen des Horrors im
sudanesischen Darfur erreicht hat. Es belegt auch das Scheitern einer
internationalen Politik, die mit einem für Afrika beispiellosem
militärischen und politischen Aufwand betrieben wurde und bislang als
Modell der Stabilisierung zusammengebrochener Staatswesen galt.
Die Wahlen, die die UNO im Jahr 2006 überwachte und sich so viel kosten
ließ wie noch nie, sowie die größte Blauhelmmission der Welt - das waren
die Mittel, mit denen die Weltgemeinschaft in den letzten Jahren versuchte,
ein von jahrzehntelangem Krieg und Staatszerfall verwüstetes Land wieder
aufzubauen. Eine demokratisch gewählte Regierung auf zentralstaatlicher
Ebene zu installieren - das war gedacht als erster Schritt hin zu einem
geordneten politischen System, in dem die 60 Millionen Einwohner wieder zum
Frieden finden und sich aus dem Elend lösen sollten. Dass im Osten des
Landes, wo die Kriege im Kongo vor fünfzehn Jahren ihren Ausgang genommen
hatten, die Gewalt weiterging, galt für viele Beobachter als ein
Geburtsfehler, der sich im Laufe der Jahre sozusagen von selbst korrigieren
würde.
Die Wirklichkeit sieht anders aus. Kongos Regierung hat das Regieren nicht
gelernt, die Kriege im Osten sind nicht erloschen, sondern sogar noch
eskaliert, und Armut und Elend nehmen im ganzen Land zu. Wenn die Einnahme
Gomas durch die Nkunda-Rebellen dazu dient, diese Realitäten ins
internationale Bewusstsein zu rücken, dann könnte sie den Weg zu einem
politischen Fortschritt öffnen, auf den der Kongo seit den Wahlen
vergeblich wartet.
Forderungen, wie sie jetzt etwa die deutsche Bundesregierung erhebt, die
als Antwort auf den Krieg noch mehr UN-Soldaten in den Kongo schicken will,
führen allerdings in die Irre. Es geht nicht um mehr Soldaten, sondern um
eine andere Politik. Ein Anfang wären Friedensgespräche mit Ostkongos
Rebellen, bei denen alle Probleme auf den Tisch kommen und die realen
Machtverhältnisse anerkannt werden. Die UNO muss das vorantreiben.
Andernfalls riskiert sie, dass ihre Kongo-Mission von den Ereignissen
hinweggefegt wird.
29 Oct 2008
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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