# taz.de -- Kommentar Kongo: Feindbild kostet Leben
       
       > Die UN-Blauhelme schauen untätig dabei zu, wie fliehende
       > Regierungssoldaten Goma plündern. Jetzt müsste die UNO den reibungslosen
       > Einmarsch der Rebellen ermöglichen.
       
       Die Vorgänge um Kongos Frontstadt Goma nehmen allmählich absurde Züge an.
       Unter den Augen einer untätigen UN-Blauhelmmission, deren Mandat als Kern
       den Schutz der Zivilbevölkerung enthält, plündern fliehende
       Regierungssoldaten über Nacht die Stadt und töten zahlreiche Menschen.
       
       Am nächsten Tag posaunt die internationale Diplomatie, man müsse unbedingt
       verhindern, dass die Rebellen von Laurent Nkunda die Stadt einnehmen.
       Ansonsten drohe ein Blutbad. Gleichzeitig kursieren Überlegungen, eine
       europäische Eingreiftruppe zu entsenden, die Flüchtlinge schützt.
       
       Wäre Nkundas Rebellenarmee gleich am Mittwochnachmittag in Goma
       einmarschiert, statt dem starken internationalen Druck zur Zurückhaltung
       nachzugeben, hätte es die nächtelange Plünderorgie der Regierungstruppen
       nicht gegeben. Es hätte sie auch nicht gegeben, wenn die UN-Soldaten in der
       Stadt ihr Mandat ernstgenommen hätten und nicht aus Sicherheitsgründen in
       ihrer Kaserne geblieben wären. Zahlreiche Menschen haben so mit ihrem Leben
       für die Überzeugung internationaler Diplomaten gezahlt, eine Eroberung
       Gomas durch Nkunda sei das größte anzunehmende Übel und daher um jeden
       Preis zu verhindern.
       
       Wie geht es jetzt weiter? Nach wie vor erscheint als einzige tragbare
       Lösung, dass die UN-Mission in Goma den reibungslosen Einmarsch der
       Rebellen ermöglicht, um gemeinsam mit ihnen und den noch verbliebenen
       Sicherheitskräften wie der Polizei für Sicherheit zu sorgen. Doch Nkundas
       Kämpfer haben in den letzten zwei Jahren bewiesen, dass sie in ihren
       Herrschaftsgebieten der Bevölkerung bessere Bedingungen bieten können.
       2004, zu Beginn ihres Kampfes, fielen sie noch in die Stadt Bukavu ein und
       begingen zahlreiche Vergewaltigungen und Morde. Inzwischen aber setzen sie
       auf eine straff organisierte Verwaltung und eine rigide interne Disziplin.
       Wenn das UN-Mandat zum Schutz der Bevölkerung ernst gemeint ist, muss das
       Verhalten der Kriegsparteien daran gemessen werden. Dies bedeutet
       möglicherweise für einige Diplomaten und Politiker, die Nkunda verteufeln,
       einen unangenehmen Gesichtsverlust. Aber das Leben der Kongolesen sollte
       wichtiger sein.
       
       30 Oct 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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