# taz.de -- Illegale Sex-Seiten im Internet: Einsatz gegen Kinderpornografie
> Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will erreichen, dass
> Kinderpornoseiten gesperrt werden - doch derartige Blockaden versprechen
> nur trügerische Sicherheit.
(IMG) Bild: Will gegen Kinderpornografie angehen: Familienministerin Ursula von der Leyen.
BERLIN taz In einer der größten Aktionen gegen Besitzer und Händler von
Kinderpornografie haben Ermittler ihre bundesweiten Durchsuchungen
abgeschlossen. Dabei stellten die Fahnder fest, dass bundesweit 12.750
Internetnutzer in den letzten zwei Jahren unerlaubt auf das Datenmaterial
zugegriffen haben. Das teilte der Sprecher der leitenden Berliner
Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Gegen sie wurden Ermittlungen wegen
des "Vorwurfs des Sichverschaffens kinderpornografischen Materials"
eingeleitet.
Die Ermittlungen hatten im Mai 2006 begonnen, als ein Berliner
Internetdienstleister das LKA einschaltete. Er hatte kinderpornografische
Dateien auf seinem Server gefunden. Dem Provider seien bei internen
Prüfungen das große Datenvolumen und die erhebliche Anzahl von
Benutzerzugriffen aufgefallen, teilte der Staatsanwaltschafts-Sprecher mit.
Nachdem Ermittler die Daten ausgewertet hatten, durchsuchten sie Wohnungen
und Büros von Verdächtigen. Bei der bisherigen Auswertung der
beschlagnahmten Datenträger fanden die Ermittler in mehreren Fällen
weiteres kinderpornografisches Material.
Familienministerin Ursula von der Leyen forderte am Donnerstag,
Internetanbieter zu verpflichten, Seiten mit kinderpornografischen Inhalten
zu sperren. Dazu soll das Telekommunikationsgesetz geändert werden. Ähnlich
wie es die chinesische Regierung mit unliebsamen Websites macht, könnten
auch in Deutschland bestimmte Seiten unzugänglich gemacht werden.
Die eigentlichen Inhalte zu löschen und die Urheber anzuklagen ist dagegen
oft sehr schwer: Nur selten stehen die Server in Deutschland. Im Ausland
sind sie außer Reichweite der deutschen Polizei. Markus Beckedahl, Gründer
des Blogs [1][Netzpolitik.org], hält Blockaden von Seiten für
problematisch, zumal sie mit Anonymisierungstools leicht umgangen werden
können. Er fürchtet um die Freiheit im Netz: "Wenn die Behörden
feststellen, dass das Sperren nichts nützt, werden sie Anonymisierungstools
vebieten", sagt er. Diesen Anfang einer Zensurinfrastruktur gelte es zu
verhindern. Ein freiwilliges Verfahren sei wirkungsvoller: Internetnutzer
können sich an bestimmte Hotlines wenden, falls sie gesetzeswidrige Inhalte
im Netz entdecken. Auf der deutschen Seite [2][internetbeschwerdestelle.de]
können verdächtige Websites gemeldet werden, ebenso beim internationalen
Zusammenschluss der Hotlines, [3][inhope.org].
"Wir sind skeptisch, dass es erfolgreich sein wird", sagte auch Christian
Spahr, Sprecher des Bundesverbandes Informationswirtschaft
Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Er forderte stattdessen eine
engere internationale Zusammenarbeit der Polizeibehörden, um den
Verfolgungsdruck zu erhöhen. Durch Blockaden könne es auch
"Kollateralschäden" geben: Beim Sperren vermeintlich krimineller Homepages
könnten auch legale Seiten blockiert werden. Oberstaatsanwalt Michael Stork
wies darauf hin, dass die freie Verfügbarkeit eines kinder- oder
jugendpornografischen Bildes im Internet nicht vor Strafe bis maximal zwei
Jahre Freiheitsentzug schütze. Wenn beim Öffnen einer Internetseite Dateien
automatisch temporär auf dem Rechner eines Nutzers gespeichert werden,
werde dies bereits als Besitz verbotener Daten gewertet.
20 Nov 2008
## LINKS
(DIR) [1] http://Netzpolitik.org
(DIR) [2] http://internetbeschwerdestelle.de
(DIR) [3] http://inhope.org
## AUTOREN
(DIR) Frida Thurm
## TAGS
(DIR) Datenschutz
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