# taz.de -- Kommentar Clement: Clement geht. Die SPD-Krise bleibt
       
       > Bei fast allen wichtigen Fragen ist Clement auf Parteilinie - allerdings
       > auf der der FDP. So gesehen ist sein Austritt aus der SPD folgerichtig.
       
       Wolfgang Clement streitet für Atomkraft und mehr Privates im
       Gesundheitssystem, er wettert gegen Kündigungsschutz, Mindestlöhne und zu
       viel Öko sowieso. Bei fast allen wichtigen Fragen ist er auf Parteilinie -
       allerdings auf der der FDP. So gesehen ist sein Austritt aus der SPD
       folgerichtig. Nicht dass er der SPD den Rücken kehrt, erstaunt. Sondern wie
       er es jetzt tut.
       
       Wie weit er von der heutigen SPD entfernt ist, zeigt die Begründung für
       seinen Austritt. Die SPD betreibe die "Deindustrialisierung Deutschlands".
       Müssen wir uns Müntefering als neuen Morgenthau vorstellen? Merkwürdig
       auch, dass Clement jetzt die Zusammenarbeit mit der Linkspartei in den
       Ländern aufstößt - die gibt es mancherorts schon seit mehr als 10 Jahren.
       
       Clement ist nicht der erste Politiker, der machtpolitisch kaltgestellt und
       darüber bitter und egozentrisch wurde. Egoman ist die Art und Weise, wie er
       diesen Abgang inszeniert hat. Die gesamte Parteispitze hat sich bemüht, ihm
       Brücken zu bauen - Clement hat sie mit einem möglichst lauten Knall
       gesprengt. Nein, es ist kein Schaden, dass dieser zornige, alte Mann der
       SPD den Rücken kehrt.
       
       Aber es geht um mehr als um die steilen Selbstüberhöhungen von Wolfgang
       Clement. Dieser Fall zeigt, wie stark die Fliehkräfte in der SPD - trotz
       aller Versöhnungsrhetorik - sind. In Hamburg haben SPD-Rechte kürzlich den
       SPD-Linken Niels Annen weggeputscht, in Hessen haben drei Abweichler
       Ypsilanti verhindert. Die Bandagen im innerparteilichen Kampf werden
       härter. Der Wirtschaftsflügel, der nicht so viel anders tickt als Clement,
       klingt oft wie die FDP, mancher SPD-Linke wie Lafontaine. Ein weiter Bogen.
       Zu weit für eine Volkspartei.
       
       Die SPD war stets stark, wenn sie mit den Konzepten ihres linken und
       rechten Flügels etwas anzufangen wusste, wenn sie Fortschritt und
       Sozialstaat, Solidarität und Leistung versöhnte. Aufstieg für alle, so
       lautete das sozialdemokratische Versprechen in guten Zeiten. Und heute?
       Nach der Agenda 2010 fehlt der Partei eine zündende Idee, wie sich diese
       Botschaft glaubwürdig erneuern lässt. Auch deshalb fallen die Flügel
       übereinander her. Keine falsche Schadenfreude also. Clement ist weg, die
       Krise bleibt.
       
       25 Nov 2008
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Reinecke
       
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