# taz.de -- Neue Linkspartei in Israel: Für Gerechtigkeit, Umwelt und Frieden
> Mit einer neuen Bewegung will Israels Linke bei den Wahlen für das
> Parlament im Februar ein zweistelliges Ergebnis holen. Soziale
> Gerechtigkeit steht oben auf der Agenda.
(IMG) Bild: Ehud Barak, Chef der israelischen Sozialdemokraten muss befürchen, dass die neue Linkspartei Stimmen abziehen wird
JERUSALEM taz Gute Stimmung herrscht unter Israels Linken, die mit ihrer
neuen Bewegung nach den Wahlen im Februar zweistellig in die Knesset
einziehen wollen, das israelische Parlament. Unterstützt von
Bestseller-Autor Amos Oz und Abtrünnigen der Arbeitspartei, wie Jael Dayan,
der Tochter des einäugigen Ex-Verteidigungsministers Mosche Dayan, prescht
das linke Bündnis Meretz in neuem Kleid nach vorn. Eine wahre
sozialdemokratische Partei soll es sein, so hieß es am Freitag im Verlauf
der Gründungsversammlung im Tel Aviver Kellertheater "Zawta". Soziale
Gerechtigkeit steht ganz oben auf der Agenda, also die Bekämpfung der
wachsenden Armut und gesellschaftlicher Kluften. Umweltschutz und Frieden.
Von einem klaren Weg und neuer Hoffnung ist die Rede und von einer neuen
Art Führung, in die das Volk Vertrauen haben könne. "Give peace a chance",
singt ein begeisterter Parteigründer, der eigens zehn große Trommeln
mitgebracht hat und sich im Eingangsbereich zu dem Kellertheater postiert,
wo sich rund 300 Gründungsmitglieder versammelten. Fast alle sind
Aschkenasim (Juden mit europäischer oder osteuropäischer Herkunft), und
fast alle gehören zur gehobenen Mittelklasse bis Oberschicht.
"Die größte moralische Prüfung sind die israelischen Araber", mahnt Prof.
Mordechai Kremnitzer. Die neue Linkspartei, die noch nach einem passenden
Namen sucht, will sich auf der Basis des schon bestehenden linken
Bündnisses Meretz um die arabischen Israelis, die orientalischen Juden und
die sozial Schwachen kümmern. Kaum eine der Zielgruppen ist jedoch auf der
Veranstaltung vertreten. Die einzige arabische Stimme, die zu hören ist,
gehört der Filmemacherin Ibtisam Marana. Und selbst sie erwähnt das Wort
Araber nicht ein einziges Mal, sondern beschwert sich stattdessen über die
privaten Fernsehsender, die sich weigern, israelische Jungfilmer
auszustrahlen.
"Wir brauchen eine neue Linkspartei, weil die Arbeitspartei ihr Ansehen
verloren hat", sagt Avi Primor, früherer Botschafter in Berlin, der
gekommen ist, um sich "von der Sache mal einen Eindruck zu machen", ohne
selbst politische Ambitionen zu hegen. Die Arbeitspartei habe sich zu lange
damit zufrieden gegeben, "Juniorpartner in der Koalition einer rechten
Partei zu sein". Bei der Kadima wisse man wiederum nicht, "welchen Weg sie
letztendlich einschlägt" und Meretz sei eine "schöne Partei, nur eben sehr
klein".
In der israelischen Politikerszene gibt es wohl nur einen, dem die
Parteigründung Kopfschmerzen bereiten wird: Ehud Barak, Chef der
israelischen Sozialdemokraten. Wenn die neue Linkspartei tatsächlich die
zehn Mandate erreicht, wird das auf Kosten der Arbeitspartei gehen. Sollten
nicht doch noch die traditionellen Wähler der arabischen und der
orientalischen Parteien überzeugt werden können, dann kommt es lediglich zu
einer Stimmenverteilung von Mitte-links nach links, während die großen
Stücke des Wahlkuchens doch wieder an Kadima und Likud gehen.
5 Dec 2008
## AUTOREN
(DIR) Susanne Knaul
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