# taz.de -- Kommentar NPD: Machtkampf in der rechten Szene
       
       > Die NPD ist nur der parlamentarische Arm der rechtsextremen Bewegung. Ein
       > Verbot hilft da nicht viel.
       
 (IMG) Bild: Neonazi Wulff: "Diese Parteiführung ist zu einer Zusammenarbeit auf Bundesebene nicht mehr willens"
       
       In der rechtsextremen "Volksfront von rechts" kracht es derzeit gewaltig:
       Die "Freien Kräfte" haben die Zusammenarbeit mit der NPD teilweise
       aufgekündigt. Die Unzufriedenheit mit der Parteiführung war offenbar zu
       groß. Und die Aussicht auf einen neuen Vorsitzenden Andreas Molau dürfte
       die parteifreien Neonazis weiter verdrießen. Der ehemalige
       Waldorfschullehrer kündigte nämlich bereits an, die rechtsextreme Partei
       für nationalkonservative Kreise öffnen zu wollen.
       
       Aus Sicht der NPD ist das eine kluge Entscheidung. Immerhin steckt die
       Partei in einer strategischen Sackgasse. Einerseits ist sie auf die
       aktionistischen Neonazis angewiesen, um die Basis bei Laune zu halten und
       erfolgreich die Wahlkämpfe zu bestreiten. Andererseits verhindern die auf
       Krawall gebürsteten militanten Neonazis größere politische Erfolge in der
       ganzen Bundesrepublik. Mit ihnen wollen die meisten bürgerlichen
       Rechtsextremisten nichts zu tun haben.
       
       Mit ihrer Distanzierung von der NPD stellen die "Freien Kräfte" also die
       Machtfrage hinsichtlich der wichtigsten Organisation innerhalb der
       rechtsextremen Bewegung. Einflussreiche Neonazis bezeichnen die NPD als
       ihre beste Waffe, denn sie benötigen eine offizielle Struktur, um an
       öffentliche Gelder heranzukommen und um größere Konzerte, Demonstrationen
       und andere Aktionen zu organisieren. Diese wegen der eingeschleusten
       V-Leute "unverbietbare" Partei ist für die Neonazis nicht unverzichtbar,
       aber sehr hilfreich.
       
       Der aktuelle Machtkampf zeigt aber auch, was Politik und Medien gerne
       ignorieren: Die NPD ist nur ein Teil einer rückwärts gewandten sozialen
       Bewegung, sie ist ihr parlamentarischer Arm. Wer die politische Debatte
       über den Rechtsextremismus auf die NPD begrenzt, blendet dessen Komplexität
       sowie Schlagkraft aus, ebenso wie die konkurrierenden Strömungen und das
       enorme mit ihnen verbundene Konfliktpotenzial. Dieses bietet übrigens weit
       mehr Angriffspunkte gegen den ausdifferenzierten Rechtsextremismus als die
       x-te Neuauflage der NPD-Verbotsdebatte.
       
       3 Jan 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Patrick Gensing
       
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