# taz.de -- Israel setzt Truppen in Bewegung: Bodenoffensive in Gaza
       
       > Israel mobilisiert zehntausende Reservisten für den Kampf gegen die Hamas
       > im Gazastreifen. Die Organisation behauptet, zwei israelische Soldaten
       > entführt zu haben.
       
 (IMG) Bild: Israelische Soldaten warten an der Grenze zum Gazastreifen
       
       JERUSALEM taz Einen Tag nach Beginn der israelischen Bodenoffensive zeigt
       sich die Hamas im Gazastreifen noch unbeeindruckt. Rund 30-mal schrillten
       die Sirenen in den israelischen Grenzortschaften am Sonntag als Warnung vor
       Raketen. Im Gazastreifen starben Berichten zufolge 30 Menschen im Verlauf
       der ersten Stunden der Invasion. Damit steigt die Zahl der
       palästinensischen Todesopfer auf 490. Unter den israelischen Soldaten gab
       es einen Gefallenen. Hörfunk- und Fernsehstationen, die von der Hamas
       betrieben werden, berichteten über zwei israelische Soldaten, die angeblich
       von der Hamas entführt worden seien. Die Armee bestätigte diese Information
       nicht. Es handele sich um psychologische Kriegsführung.
       
       Ausgerüstet mit Nachtsichtgeräten drangen schon in der Nacht auf Sonntag
       tausende Soldaten in den Gazastreifen vor. Die Regierung hatte sich zuvor
       über die Mobilisierung von mehreren zigtausend Reservisten abgestimmt. Mit
       Panzern schnitten die Soldaten eine Schneise durch den Gazastreifen, um den
       südlichen Abschnitt vom Norden zu trennen.
       
       Regierungschef Ehud Olmert erschien sichtlich übermüdet zur gestrigen
       Regierungssitzung, in der er wieder und wieder betonte, dass Israel die
       Operation nicht gewollt habe, "uns jedoch keine Alternative blieb". Auch
       Verteidigungsminister Ehud Barak klärte in einer Ansprache darüber auf, wie
       schwer ihm die Entscheidung gefallen sei. "Wir suchen den Frieden und haben
       uns lange zurückgehalten", meinte er. Jetzt sei die Zeit gekommen, um zu
       tun, "was getan werden muss". Barak betonte, die Armee sei gut vorbereitet.
       Er lobte die Armeekommandanten, allen voran den Stabschef. Hier seien
       Männer, "auf die man sich verlassen kann".
       
       Das erklärte Ziel ist, die Raketengefahr auf die israelischen Ortschaften
       in der Umgebung des Gazastreifens einzudämmen. Was bislang passiert, ist
       genau das Gegenteil: Die Hamas intensiviert ihre Angriffe, schießt mit
       Raketen, die eine deutlich größere Reichweite als die hausgefertigten
       Kassams haben und die inzwischen schon bis zur viertgrößten Stadt Israels,
       Beerschewa, reichen. Kindergärten und Schulen im Radius von vorläufig 40
       Kilometern bleiben seit gestern geschlossen.
       
       Am Samstagabend demonstrierten tausende Anhänger linker Friedensbewegungen
       in Tel Aviv gegen die Operation. Die "Ärzte für Menschenrechte" forderten,
       schwerkranke Palästinenser zur Behandlung nach Israel zu bringen. "Es hat
       noch nie einen Krieg gegeben, der das Ende aller Kriege bedeutet",
       kommentierte die Tageszeitung Jediot Ahronot. Maximal einen Monat werde es
       dauern, bis die Hamas, "nachdem wir sie entschieden geschlagen haben, dahin
       zurückkehrt, wo sie vorher war". Insgesamt überwiegt noch Zuversicht. Über
       die Hälfte der Israelis hatte zu Beginn der Operation der Armee ihren Segen
       gegeben.
       
       Zunächst soll die militärische Infrastruktur in den Regionen zerstört
       werden, aus denen die Raketen auf Israel abgeschossen werden. Anders als
       beim Libanonkrieg steckte Barak die Ziele niedrig. Läuft es weiter so wie
       bisher, dann kann der Chef der Arbeitspartei für die Mitte Februar
       geplanten Wahlen punkten. Entscheidend wird sein, den rechten Zeitpunkt für
       ein Ende der Invasion abzupassen, um anschließend mit internationaler und
       vor allem arabischer Hilfe einen diplomatischen Prozess einzuleiten.
       Gelingt das nicht, droht eine Wiederholung der Ereignisse im Libanon, als
       die Hisbollah nicht nur den Krieg erklärte, sondern binnen kürzester Zeit
       die Waffenlager wieder aufgefüllt hatte.
       
       4 Jan 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Susanne Knaul
       
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