# taz.de -- Flughafen-Poker: Touchdown in Lübeck
       
       > Mehrheitseigentümer Infratil will den Flughafen an die Stadt zurückgeben.
       > Das kostet die öffentliche Hand 23 Millionen Euro und stellt die Zukunft
       > des Airports in Frage. Zum Trost eröffnet Ryanair eine weitere
       > Billigflugverbindung - nach Mallorca
       
 (IMG) Bild: In Zukunft wird die Billigfluggesellschaft Ryanair noch öfter in Lübeck landen
       
       Die Tage des Lübecker Flughafens als Verkehrsflughafen könnten gezählt
       sein. Wie die Stadtverwaltung bestätigte, will der neuseeländische Investor
       Infratil zum Oktober seine 90-Prozent-Beteiligung zurückgeben. Das kostet
       die finanziell klamme Stadt 23 Millionen Euro. Bürgermeister Bernd Saxe
       (SPD) sucht jetzt einen neuen Geldgeber, der bereit wäre, den Flughafen zu
       betreiben. Unterdessen hat die Fluggesellschaft Ryanair am Montag
       angekündigt, sie werde im Sommer eine weitere Billigflugverbindung
       anbieten. Neben den acht Ryanair-Angeboten gibt es ab Lübeck nur noch eine
       Verbindung einer anderen Fluggesellschaft.
       
       Der Lübecker Flughafen ist umstritten, weil er wie das bekannte
       "Frankfurt"-Hahn allein von Billigfliegern lebt - oder eher nicht lebt,
       denn der Airport ist ein Zuschussgeschäft. Die Lübecker Stadtoberen und die
       Industrie- und Handelskammer (IHK) hoffen, dass sich das mit einem Ausbau
       der Flughafens ändern würde. Der erste Planfeststellungsbeschluss hierfür
       musste nachgebessert werden. Im Februar soll ein neuer vorgelegt werden. Ob
       er sofort vollziehbar sein wird, ist offen.
       
       Beim Vertrag über den Flughafenverkauf hatte Lübeck dem Investor Infratil
       eine Ausstiegsoption eingeräumt, für den Fall, dass die Passagierzahlen
       unter den Erwartungen bleiben sollten. Seit 2005 ist die Zahl der Fluggäste
       Jahr für Jahr gesunken: von 710.000 auf 520.000 im vergangenen Jahr.
       Infratil nannte nach Angaben der Stadt die weltweite Finanzkrise als
       Begründung für den Ausstieg.
       
       Bürgermeister Saxe lud Infratil "recht herzlich ein, an Bord zu bleiben".
       Er hoffe, dass sich bis Oktober ein Weg dorthin finden lasse. Sollte das
       nicht gelingen, muss die Stadt neben dem Kaufpreis Infratils Investitionen
       und Verluste bezahlen.
       
       Die Hoffnungen Saxes ruhen nach Auskunft von dessen Sprecher Matthias Erz
       auf einem baldigen Planfeststellungsbeschluss zum Flughafenausbau. "Wir
       glauben, wenn der Planfeststellungsbeschluss kommt, bleibt Infratil bei der
       Stange", sagt Erz. Mit einer Länge von 1,8 Kilometern sei die Piste in
       Lübeck sehr kurz. Ein Ausbau böte die Chance, das Flugzeuge in Lübeck
       stationiert würden und sich das viele neue Flugziele hinzukämen, sagt der
       Sprecher. Potenzielle Passagiere gebe es genug: Schließlich lägen manche
       Teile des Hamburger Speckgürtels näher am Lübecker als am Hamburger
       Flughafen.
       
       Ob sich der Flughafen dann für die Betreiber rentieren würde, ist
       allerdings fraglich. Erst in der vergangenen Woche ist der wohl bekannteste
       Billigflieger-Airport Hahn bei Frankfurt mit dem Versuch gescheitert, aus
       den roten Zahlen zu kommen. Der Flughafen wollte eine Terminalgebühr von
       drei Euro pro Passagier erheben. Ryanair, die auch in Hahn die mit Abstand
       wichtigste Fluggesellschaft ist, stellte sich quer und drohte, seine dort
       stationierten Maschinen abzuziehen. Der Flughafen gab nach und muss weiter
       die laufenden Defizite tragen. In Hahn fliegen jährlich vier Millionen
       Passagiere mit Ryanair.
       
       In der Lübecker Politik mehren sich unter solchen Voraussetzungen die
       Bedenken gegenüber dem Flughafen. "Das haben wir uns vor ein paar Jahren
       noch ganz anders vorgestellt", sagt Sven Schindler vom Kreisvorstand der
       SPD. Klar sei, dass die Stadt den Airport nicht selbst betreiben und auch
       nicht bezuschussen könne. "Das heißt: Entweder findet sich ein neuer
       Betreiber oder das Land springt ein", so Schindler.
       
       Sollte keine dieser Möglichkeiten Wirklichkeit werden, könnte sich
       Schindler auch etwas anderes vorstellen. Der Stadt mangele es an Flächen
       für große Gewerbegebiete. Der Flughafen, günstig an den Autobahnen A 20 und
       A 1 gelegen, könnte auch ein Gewerbegebiet werden. Damit ließe sich der
       erhoffte Impuls aus einer festen Fehmarnbeltquerung nutzen. Die Grünen
       sehen das ähnlich.
       
       Die IHK betont dagegen, wie wichtig der Flughafen als Teil der
       Infrastruktur für die Region sei. IHK-Hauptgeschäftsführer Bernd Rohwer
       forderte Politik und Wirtschaft auf, den Flughafen wie geplant auszubauen.
       "Der Wirtschaftsstandort Lübeck mit dem größten deutschen Ostseehafen ist
       definitiv auf eine gute Erreichbarkeit über Straße, Schiene und aus der
       Luft angewiesen", sagte er. Ryanair wisse das Potenzial des Flughafens zu
       schätzen.
       
       Flughafen-Chef Tom Wilson sagte, es gelte den Schwung der
       Ryanair-Entscheidung für einen weiteren Ausbau des Angebots zu nutzen. Das
       sei wichtig, weil Infratil noch nicht endgültig über den Ausstieg aus dem
       Lübecker Flughafen entschieden habe. Die Lübecker Bürgerschaft wird sich
       auf ihrer Sitzung am Donnerstag kommender Woche mit dem Flughafen befassen.
       
       20 Jan 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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 (DIR) Kommentar Ungeliebter Flughafen: Mietnomaden der Lüfte
       
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