# taz.de -- Anton Hofreiter über den Bahnskandal: "Es gab weitere Fälle"
> Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Anton Hofreiter, hat selber interne
> Protokolle der Bahn online gestellt. Zu recht, sagt er, und fordert auch
> den Rücktritt des Verkehrsministers.
(IMG) Bild: Schlechtes Krisenmanagement: Bundesverkehrsminister Tiefensee.
taz: Herr Hofreiter, Sie haben offenbar keine Angst vor den Anwälten der
Bahn.
Anton Hofreiter: Warum sollte ich?
Weil sie ein internes Protokoll über die Rasterfahndung der Bahn auf ihrer
Homepage Asyl anbieten. Und das, nachdem die Bahn den Blogger Markus
Beckedahl deswegen abgemahnt hat.
Erstens genieße ich bis zu einem gewissen Grade Immunität. Und zweitens
soll Herr Mehdorn ruhig mal probieren, einen Abgeordneten in so einem Fall
abzumahnen. Das wird sein Renommee nicht verbessern.
Aber es handelt sich schon um ein internes Papier, das dem
Verkehrsausschuss des Bundestages zu Verfügung gestellt wurde.
So intern ist das auch nicht mehr, schließlich kann man vieles davon in
Zeitungen und im Internet lesen. Und außerdem sollen sich die Menschen doch
mal ihr eigenes Bild über den Umgang der Bahnführung mit ihren Mitarbeitern
machen.
Sie haben sich Ihr Bild gemacht?
Wir wissen ja schon länger, dass bei der Bahn so einiges im Argen liegt.
Und es ist schon interessant zu lesen, dass selbst die schlimmsten
Befürchtungen noch übertroffen werden. Zumal dieses Dokument ja nur einen
kleinen Ausschnitt zeigt.
Es geht also nicht nur um die neun Schnüffelaktionen, die in dem besagten
Protokoll stehen?
Nach allem, was wir wissen, geht es um 43 solcher Aufträge, die die Bahn
vergeben hat. Wobei es unklar ist, ob die alle über die Firma Network
Deutschland oder auch über Subunternehmer abgewickelt wurden.
Wir müssen uns also darauf einstellen, dass noch weitere Skandale bekannt
werden?
Es gab auf jeden Fall noch weitere Aufträge, über die noch nichts bekannt
ist.
Und wenn Bahn-Chef Hartmut Mehdorn auch hier mit Abmahnungen droht?
Die ganze Aktion ist doch nur peinlich für ihn. Er soll sich darauf
konzentrieren, dass die ganze Sache aufgeklärt wird, sich bei seinen
Mitarbeitern ausdrücklich entschuldigen - und dann seinen Hut nehmen.
Wann wird Mehdorn gehen? Offenbar ist auch der Verkehrsminister ziemlich
verärgert.
Der hat ja auch noch eine Rechnung offen und könnte durch einen
Mehdorn-Rücktritt Profil gewinnen. Aber im Prinzip trägt er als Minister
doch die politische Verantwortung für die Vorgänge.
Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee sollte also gleich mit Mehdorn
zurücktreten?
Ach ja, eigentlich sollten sie beide gehen.
5 Feb 2009
## AUTOREN
(DIR) Stephan Kosch
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Überwachung
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