# taz.de -- Anleitung zum Kirchenaustritt: Ausstieg leicht gemacht
       
       > Liebäugeln Sie schon lange mit dem Austritt aus der katholischen Kirche?
       > Vor allem jetzt, wegen des Streits um einen Holocaustleugner? Nichts
       > einfacher als das. Ein Wegweiser.
       
 (IMG) Bild: Ist dieser Papst nicht Austrittsargument genug? Benedikt XVI., hier als Rückspiegel-Accessoire.
       
       Sie sind katholisch, haben aber seit Jahren keine Kirche mehr von innen
       gesehen? Sie könnten das Vaterunser zwar noch, aber bereits beim
       Glaubensbekenntnis würden Sie ins Stottern kommen? Die Friedensbotschaften
       Sanctus, Benedictus und Agnus Dei sind Ihnen auch keine Begriffe mehr? Und
       der Abschnitt auf Ihrer Steuererklärung übertitelt mit Kirchensteuer ist
       Ihnen ebenfalls schon lange ein Dorn im Auge? Dann sind Sie der perfekte
       Austrittskandidat. Und wenn nicht jetzt, wann dann? Angesichts des Streits
       über den Holocaust-Leugner Bischof Williamson und des ungeschickten Umgangs
       des Papstes damit könnten Sie Ihren Kirchenaustritt zusätzlich mit einer
       politischen Botschaft aufplustern.
       
       An und für sich ist der Austritt auch kein kompliziertes Unterfangen. Sie
       packen Ihren Personalausweis oder Reisepass ein, suchen je nach Bundesland
       entweder das Amtsgericht (Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und
       Thüringen) oder das Standesamt (alle anderen Bundesländer) auf und füllen
       das in der Regel vorgefertigte Austrittsformular aus. Ein völlig
       unspektakulärer Vorgang. Denn weder müssen Sie bei einem Pastor vorsprechen
       noch sich sonst vor irgendjemand rechtfertigen. Sie können einfach das
       [1][taz-Austrittsformular] downloaden, ausfüllen und abschicken.
       Schließlich hat jede Person hat qua Verfassung ein Austrittsrecht. Das
       reicht zur Begründung. Nicht einmal mit hohen Kosten ist der Austritt
       verbunden. In den meisten Bundesländern kostet Sie der Austritt zwischen 10
       und 31 Euro, in den weitgehend säkularisierten Stadtstaaten Berlin und
       Bremen ist dieser sogar kostenlos. Nur in einzelnen schwäbischen Kommunen
       kann es schon mal vorkommen, dass Sie 60 Euro oder mehr hinblättern müssen.
       
       Doch aufgepasst: Die Tücke steckt im Detail. Wer zum Beispiel im
       StudentInnenalter von 19 oder 20 Jahren seinen Austritt schon einmal
       erklärt hat, dem kann passieren, dass mit dem Eintritt ins Berufsleben
       einige Jahre später auf der Steuerbescheinigung der Posten Kirchensteuer
       trotzdem aufgelistet ist. Offensichtlich spekuliert die Kirche darauf, dass
       ihre ehemaligen Mitglieder die Austrittsbescheinigung nicht aufbewahren,
       und fordert dann oftmals Jahre später einen Beweis dafür.
       
       Und in der Tat: Nach derzeitiger Rechtslage sind Sie in der Pflicht, Ihren
       Weggang nachzuweisen. Können Sie das nicht, könnte Ihnen gar eine saftige
       Nachzahlung drohen. Gerade in Bundesländern mit großen Mitgliederverlusten,
       wie zum Beispiel Berlin, versuchen die Bistümer auf diese Weise, die
       Kirchenkassen zu füllen.
       
       Auch über die Folgen des Austritts sollten Sie informiert sein. Sofern der
       Arbeitgeber ein kirchlicher Träger ist - und davon gibt es hierzulande mit
       Caritas, Diakonischem Werk und dem Büchereiverbund Borromäusverein eine
       ganze Reihe -, kann Ihnen ohne Weiteres gekündigt werden. Auch wer sein
       Kind gerne in einen der allseits beliebten katholischen Kindergärten oder
       Schulen anmelden möchte, hat mit einem Austrittsgesuch schlechte Karten.
       Und als Taufpate oder Trauzeuge fallen Sie ebenfalls aus. Sorge, dass Sie
       im Todesfall in einer Müllkippe landen, müssen Sie aber nicht haben.
       Friedhöfe nehmen auch Ungläubige bei sich auf.
       
       Im Übrigen: So sehr dramatisieren müssen Sie Ihre Austrittsüberlegungen
       nicht - denn Sie können problemlos immer wieder eintreten. Zumindest der
       strengen katholischen Lehre zufolge kennt die Kirche zwar Rausschmiss, aber
       keinen Austritt. Wer einmal getauft ist, bleibt es sein Leben lang. Wer
       hingegen wirklich dem Vatikan für immer den Rücken kehren möchte, müsste
       den Papst schon schwerwiegend brüskieren - oder den Holocaust leugnen. Und
       selbst das ist bekanntlich nur Theorie.
       
       6 Feb 2009
       
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