# taz.de -- Afghanistan-Politik der USA: Selbstkritik auf Sicherheitskonferenz
       
       > Obamas Berater gesteht in München, dass die USA in Afghanistan zu sehr
       > aufs Militär gesetzt haben. Doch eine neue Afghanistan-Strategie ist
       > nicht erkennbar.
       
 (IMG) Bild: "Amerika wird mehr von seinen Partnern verlangen": US-Vizepräsident Biden in München.
       
       Zwei Nachrichten hatte US-Vizepräsident Joe Biden den Teilnehmern der
       Sicherheitskonferenz am Wochenende in München mitgebracht. Die gute: Die
       USA wollen mehr tun. "Die schlechte Nachricht ist: Amerika wird mehr von
       seinen Partnern verlangen."
       
       Damit entsprach der höchstrangige Gesandte des neuen US-Präsidenten Barack
       Obama ziemlich genau den Erwartungen der Gemeinde der Außen- und
       Sicherheitspolitiker, die sich auch dieses Jahr wieder im Hotel Bayerischer
       Hof eingefunden hatte. Einerseits verfolgte Biden das Motto "Wir sind nett,
       aber ihr müsst auch mitmachen". Andererseits blieb er abstrakt genug, dass
       alle hören konnten, was sie hören wollten - speziell in Bezug auf
       Afghanistan.
       
       So fühlte sich Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer offenbar
       bestätigt. Er wiederholte einfach seine Rede vom vergangenen Jahr und
       forderte mehr europäische Soldaten für Afghanistan. Auch
       Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte sein Manuskript von 2008
       wieder mitgebracht: Der deutsche militärische Beitrag werde sehr geschätzt
       und bedürfe keiner Aufstockung.
       
       Doch es gab tatsächlich auch einige der viel zitierten "neuen Töne" auf der
       ausdrücklich als privat deklarierten Konferenz - zum Beispiel Selbstkritik.
       "Wir neigten dazu, uns zu sehr auf den militärischen Teil des Wiederaufbaus
       zu konzentrieren. Das war zwar wichtig, aber nicht das Einzige, was wir
       hätten tun sollen", sagte Obamas Sicherheitsberater James Jones am Sonntag
       zu Afghanistan. Man habe auch die regionalen Zusammenhänge, besonders
       Pakistan, vernachlässigt.
       
       Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor bereits zugegeben, dass bei der
       Polizeiausbildung nicht alles gut gelaufen sei. In der Tat hat Deutschland
       Jahr für Jahr die Zusage nicht eingehalten, sich um den Aufbau einer
       zivilen Ordnungsmacht in Afghanistan zu kümmern. Die Bedeutung des Themas
       ist erst kürzlich bei den deutschen Innenministern angekommen, man schickt
       jetzt ein paar Dutzend Polizeiausbilder.
       
       Afghanistans Präsident Hamid Karsai hob hervor, wie nötig die
       internationale Hilfe beim Wiederaufbau sei, sprach sich aber auch für die
       Truppenaufstockung der USA aus. Karsai wurde freundlich behandelt, doch
       hatte ihn Exkanzler Gerhard Schröder - sicherlich in Absprache mit
       Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) - via Spiegel unfreundlich
       empfangen: Korruptionsbekämpfung sei mit Karsai nicht mehr möglich,
       schreibt Schröder dort: "In Afghanistan ist ein politischer Neuanfang
       wünschenswert."
       
       Die Grünen-Außenpolitikerin Kerstin Müller bedauerte gegenüber der taz,
       dass zwar alle Diskutanten stets eine notwendige neue Strategie für
       Afghanistan beschworen, niemand aber Konkretes dazu gesagt habe. Karsai
       anzugreifen sei jedenfalls nicht gut: "Der afghanische Präsident wird vom
       afghanischen Volk gewählt. Die internationale Gemeinschaft sollte sich auf
       ihre eigenen Fehler konzentrieren."
       
       9 Feb 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ulrike Winkelmann
       
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