# taz.de -- Kommentar Neonazi-Aufmarsch in Dresden: Wer fehlte, war die Polizei
> Auf den Autobahnraststätten um Dresden hatten die Neonazis freie Fahrt,
> es gab Übergriffe auf friedliche Gegendemonstranten. Die Polizei hätte da
> sein müssen.
(IMG) Bild: Können sich als Sieger fühlen: Neonazis am vergangenen Samstag in Dresden.
Nach Dresden führen gar nicht so viele Wege. Mit dem Auto kann man von
Norden direkt über die A 13 kommen oder von Westen über die A 4. Auf die A
4 fließt der Verkehr auch von Süden am Hermsdorfer Kreuz und von Nordwesten
am Dreieck Nossen. Wenn sich tausende Rechtsextreme und tausende
Gegendemonstranten aus ganz Deutschland für einen Tag in Dresden
ankündigen, gehört nicht viel dazu, sich zu überlegen, wo es gefährlich
werden könnte: an den Rastplätzen. Genau hier trafen Rechtsextreme und ihre
Gegner aufeinander. Wer fehlte, war die Polizei.
Am Sonnabend während der Anreise prügelten Rechtsextreme ihre Gegner in
Sachsen - an einer Raststätte. Am Abend während der Abreise prügelten
Neonazis die Gegendemonstranten in Thüringen - an einer Raststätte. Einmal
kam ein Opfer mit einer Platzwunde davon, im anderen Fall erlitt ein Mann
einen Schädelbruch. Augenzeugen berichten von Bussen voller Neonazis. Sie
fühlten sich stark, die Hemmschwelle war niedrig - keine Polizei. In
Thüringen kamen die Beamten wenigstens schnell genug, um einen Bus mit
Rechten aufzuhalten. Doch sie nahmen nur die Personalien auf.
Thüringens Innenminister erklärt die Frage, warum die Raststätten nicht
abgesichert waren, für Unsinn. Es könne keine Totalüberwachung der An- und
Abreise von 15.000 Demonstranten geben. Es könnten nicht sämtliche Rast-
und Parkplätze mit Hundertschaften der Polizei belegt werden. Es habe
keinerlei Hinweise auf gewalttätige Aufeinandertreffen von Demonstranten
gegeben. Als wäre es nicht gängige Praxis der Polizei bei Demonstrationen
oder Fußballspielen, die Bahnhöfe abzusichern. Zu viel Aufwand? In
Thüringen und Sachsen zusammen gibt es gut zwanzig bewirtschaftete
Rastanlagen.
Das alles kann nicht ernst gemeint sein. Zum Grundrecht, sich zu einer
Demonstration zu versammeln und dort seine Meinung zu äußern, gehört auch,
dass man dorthin gelangt, ohne um seine Gesundheit oder gar sein Leben
fürchten zu müssen. Dazu bedarf es keiner Totalüberwachung. Es bedarf
einiger Polizisten an den Rastplätzen auf den wichtigsten Wegen nach
Dresden. Mehr nicht.
17 Feb 2009
## AUTOREN
(DIR) Georg Löwisch
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