# taz.de -- Überfälle in Ostdeutschland: Polizei verpasst Neonazi-Busse
       
       > Neonazi-Gegner wurden auf dem Weg nach und von Dresden an Raststätten
       > Opfer brutaler Attacken. Die Polizei kannte die Routen - und war erst vor
       > Ort, als es zu spät war.
       
 (IMG) Bild: Ort des brutalen Überfalls: Die Autobahnraststätte Teufelstal bei Jena.
       
       Zwei Neonazi-Überfälle vor und nach den Demonstrationen in Dresden haben
       Fragen nach der Richtigkeit der Polizeitaktik aufgeworfen. Am Samstagmorgen
       wurden auf der Autobahnraststätte Rabensteiner Wald bei Chemnitz vier
       Menschen und am Samstagabend auf der Raststätte Teufelstal in Thüringen
       fünf Menschen verletzt. Beide Male waren keine Beamten zur Stelle, um die
       Taten zu verhindern. Ein Organisator des "GehDenkens" kritisierte, sie
       hätten die Polizei vorher genau über die Reiserouten unterrichtet.
       
       Am Samstag marschierten in Dresden 6.000 Rechtsextreme. Zugleich kamen
       10.000 Menschen zu einer Gegendemonstration namens "GehDenken" zusammen.
       Auf der Rückreise am Abend befand sich auch Helge von Horn vom Kasseler
       Friedensforum. Als auf der Raststätte Teufelstal gegen 20 Uhr ein Nazi-Bus
       eintraf, rief er sofort den Polizei-Notruf an. Das aggressive Verhalten und
       Rufe wie "Scheiß-Zecken" der Neonazis gleich nach Verlassen des Busses
       hätten die Befürchtung nahegelegt, "dass hier etwas passiert", sagte Horn
       am Montag der taz.
       
       Mit dem Ruf "Los jetzt!" sei ein Teil der Nazis auf etwa 10 bis 15 Menschen
       losgestürmt, die vor einem der DGB-Busse warteten. Wer sich nicht in den
       Bus zurückziehen konnte, bekam Tritte und Schläge. Die rechtsextremen
       Schläger versuchten danach, mit ihrem Bus zu fliehen. Der musste jedoch
       erneut anhalten, weil noch einige in der Raststätte saßen. Dabei verließen
       wiederum einige der Schläger den Bus, bewaffneten sich mit Flaschen und
       Eisklumpen. Jetzt kam es zu den schwersten Misshandlungen, insbesondere der
       am Boden Liegenden.
       
       Im Moment der Abfahrt des Nazi-Busses traf ein Streifenwagen der Polizei
       ein, verfolgte den Bus und stellte ihn. Dabei wurden nur die Personalien
       der 41 Insassen festgestellt. "Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar,
       dass es sich um schweren Landfriedensbruch in Tateinheit mit schwerer
       Körperverletzung handelte", begründete Sprecher Sven Opitz von der
       Polizeidirektion Jena das lasche Verhalten. Erst später wurden drei
       schwedische Rechte, die in dem Bus saßen, zur Fahndung ausgeschrieben.
       
       Ein 40-jähriger Gewerkschafter aus Hessen, der besonders schwer am Kopf
       verletzt wurde, war am Sonntag zwar ansprechbar, musste aber am Montag in
       der Uniklinik Jena erneut operiert werden. Ein weiteres Opfer sitzt nach
       Behandlung seiner Knieverletzungen in einer Klinik im Rollstuhl.
       
       Bereits am Sonnabendvormittag waren vier Nazi-Gegner aus Weimar an der
       Raststätte Rabensteiner Wald attackiert worden. Einer der Betroffenen
       berichtete der taz, die Raststätte sei voller Leute in für Rechtsextreme
       typischer Kleidung gewesen. Sie hätten die vier in die Raststätte gedrängt,
       geprügelt und beworfen. "An meinem Kopf ist eine Flasche vorbeigeflogen."
       Erst als ein Mann im Jackett - offenkundig eine Führungsfigur - sie ermahnt
       habe, hätten sie abgelassen. Danach sei die Weimarer Gruppe mit Platzwunden
       und Schrammen im Auto entkommen und habe 110 gerufen. Eine
       Polizeisprecherin sagte, 12 Verdächtige seien gestellt worden. Die
       Polizisten hätten sie in Gewahrsam genommen. Gegen sie werde wegen
       Sachbeschädigung, Körperverletzung und Landfriedensbruchs ermittelt.
       
       Ralf Hron vom DGB in Dresden, einer der Cheforganisatoren des "GehDenkens"
       gegen die Nazis, zeigte sich befremdet. Die sichere An- und Abreise der
       Demonstranten sei ein wesentliches Thema bei den Vorgesprächen mit den
       Behörden gewesen, so wie man selbst die Sicherheit prominenter
       Bundespolitiker habe garantieren müssen. Am Freitag sei eine Liste aller
       Busse mit ihren Routen und Telefonnummern übergeben worden. "Ich bin davon
       ausgegangen, dass diese Informationen an alle betroffenen
       Polizeidirektionen weitergegeben wurden", sagte Hron der taz. In Jena
       räumte Polizeisprecher Opitz ein, dass Raststätten zwar mobil kontrolliert,
       aber am Sonnabend nicht präventiv ständig besetzt wurden.
       
       16 Feb 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) M. Bartsch
 (DIR) G. Löwisch
       
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