# taz.de -- Windkraft: Offshore tut sich schwer mit dem Ablegen
       
       > Windparks auf See sind ein wichtiger Baustein der angestrebten
       > Energiewende. Ihr Aufbau kommt allerdings langsamer voran als das geplant
       > war. Die Gründe dafür sind technische Probleme, das Finanzierungsrisiko
       > und die Netzeinbindung.
       
 (IMG) Bild: Läuft bald wie geschmiert: Arbeiter fettet das Flügelgetriebe eines Windrads bei Repower in Husum.
       
       Der Aufbau deutscher Windparks auf hoher See (offshore) kommt langsamer
       voran als erwartet. Das liegt daran, dass es sich dabei um eine technische
       Pionierleistung mit den entsprechenden Unwägbarkeiten handelt. Die Banken
       suchen sich lieber risikoärmere Projekte zur Finanzierung. Und die
       Stromversorger wollen keine Leitungen ins Nichts bauen.
       
       Die Offshore-Windenergie ist Teil des großen Vorhabens, Deutschland von
       fossilen und atomaren Brennstoffen unabhängig zu machen. Lediglich zwei
       Windparks sind bis dato über die Planungs- und Genehmigungsphase hinaus
       gelangt: die Windparks Alpha Ventus ("Borkum West") und "Bard Offshore 1".
       Alpha Ventus ist ein Testfeld der Offshore-Stiftung der deutschen
       Wirtschaft. 45 Kilometer vor Borkum sollen ab diesem Frühjahr zwölf große
       Windkraftanlagen zu Testzwecken aufgestellt werden.
       
       Im Windpark Bard Offshore 1 rund 90 Kilometer nördlich von Borkum sollen 80
       Windräder mit einer Leistung von jeweils fünf Megawatt aufgestellt werden.
       Seit Oktober betreibt die Firma Bard ein Versuchswindrad mit fünf Megawatt
       in Ufernähe in Hooksiel bei Wilhelmshaven. In diesem Jahr sollen die ersten
       Anlagen draußen auf dem Meer ans Netz gehen. Damit wäre Bard Offshore 1 der
       erste kommerzielle Windpark in der deutschen ausschließlichen
       Wirtschaftszone (AWZ) auf See. Beide Windparks sind genehmigt,
       einschließlich einer "Steckdose im Meer", die E.on setzen wird. Bei Alpha
       Ventus werde die Anbindung an das Stromnetz an Land "noch im ersten
       Halbjahr dieses Jahres fertig gestellt", sagt Joëlle Bouillon von E.on. Der
       Bard-Windpark werde auch noch dieses Jahr angeschlossen.
       
       Wie es aussieht, dürfte es dabei vorerst bleiben. Der Bürgerwindpark
       Butendiek, der als erster kommerzieller Windpark bereits 2002 genehmigt
       wurde, rechnet nicht mit einem Baubeginn vor 2011. Selbst das sei
       "eventuell wieder zu ambitioniert", sagt Butendiek-Geschäftsführer Wolfgang
       Paulsen. Der Bürgerwindpark, der im Herbst den irischen Investor Airtricity
       ins Boot holte, habe sich noch keine Turbinen auf dem Markt sichern können
       - zu groß ist die Nachfrage für Anlagen an Land.
       
       Dass der Windpark Butendiek sieben Jahre nach seiner Genehmigung noch immer
       nicht steht, erklärt Paulsen abgesehen von solchen jüngeren Entwicklungen
       damit, dass ein Projekt 34 Kilometer vor Sylt in 20 Metern Wassertiefe
       schwieriger zu bewältigen sei als erwartet. Es fehle an Erfahrungen mit
       solchen Extrembedingungen. Das nötige technische Gerät zu beschaffen, sei
       teuer. Die Füße der Bard-Anlagen werden zum Beispiel 44 Meter tief in den
       Nordseeboden gerammt. Die Masten der Windräder sind 90 Meter hoch. Um so
       etwas auf See aufzubauen, ist Spezialgerät notwendig.
       
       Dazu kommt die Frage, wie sich die Windräder selbst in der Nordsee-Umgebung
       halten: Wie halten sie dem aggressiven Salzwasser in der Luft stand? Wie 20
       Meter hohen Wellen? Wie lässt sich verhindern, dass der Fuß eines Windrades
       frei gespült wird. "Hinter Offshore stehen riesige Themen", sagt der
       schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU). Dazu
       gehören auch Finanzierung und Netzanbindung.
       
       E.on muss die Windparks in der Nordsee anschließen, Vattenfall die
       Kraftwerke in der Ostsee. Weitere Netzanbindungen seien in Planung, sagt
       Bouillon. Es gebe "konstant Gespräche mit den Windparkbetreibern". E.on
       werde mit der Investitionsplanung aber erst beginnen, wenn alle
       Genehmigungen für einen Windpark erteilt, alle Auflagen erfüllt seien und
       die Finanzierung stehe. Immerhin hätten die beiden Anschlüsse für Alpha
       Ventus und Bard, an die sich noch weitere Windparks hängen werden, 400
       Millionen Euro gekostet. Paulsen von Butendiek beklagt die langen
       Planungsvorlaufzeiten für die Kabeltrassen, räumt aber ein, dass es sich
       genehmigungstechnisch um Neuland handele. Wird die Windkraft im großen Stil
       ausgebaut, muss das Netz an Land so umgebaut werden, dass es den Windstrom
       aufnehmen kann.
       
       Die Finanzierung der Windparks schließlich leidet unter der Finanzkrise.
       Sie schlage durch auf Finanzierungen in allen Bereichen - auch bei den
       Erneuerbaren Energien, sagt Thies Harder-Heun von der Deutschen Kreditbank.
       "Wir haben Onshore genug zu tun", sagt Harder-Heun. Windkraft an Land sei
       ein sicheres Geschäft, während es auf See noch keine Erfahrung zu den
       tatsächlichen Kosten und technischen Risiken gebe.
       
       18 Feb 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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 (DIR) Strand
       
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