# taz.de -- Kommentar Bund der Vertriebenen: Jenseits von Frau Steinbach
       
       > Das Alleinvertretungsrecht des Bundes der Vertriebenen (BdV) im
       > Stiftungsrat ist ein grundlegender Fehler. Auch außerhalb des BdV gibt es
       > viele, ehemals Vertriebene.
       
 (IMG) Bild: Vertrieben aus dem Stiftungsrat: Berufsvertriebene Erika Steinbach mit ihrer Unterstützerin Angela Merkel.
       
       Der Streit um die "Personalie" Steinbach hat es mit sich gebracht, dass
       einige wichtige, mit der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Vergebung"
       zusammenhängende Fragen deutlich unterbelichtet geblieben sind. Das
       Stiftungsgesetz sieht vor, dem Bund der Vertriebenen (BdV) drei Sitze im
       Stiftungsrat zuzugestehen. Damit wird ein Alleinvertretungsrecht des BdV
       festgeschrieben, das mit der Realität nichts zu tun hat.
       
       Denn es gibt außerhalb des BdV eine große Zahl von ehemaligen Vertriebenen
       und deren Kindern, die sich in polnisch-deutschen Initiativen organisiert
       haben. Oft genug entstehen Freundschaften mit Polen, die ihrerseits nach
       1945 aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten vertrieben worden sind.
       Diese Initiativen leisten praktische Arbeit, auch Erinnerungsarbeit. Sie
       bilden den Kern des polnisch-deutschen Versöhnungsprozesses - und sie
       fühlen sich mehrheitlich durch die Führung des BdV nicht vertreten.
       
       Ein zweites Problem betrifft die fortbestehenden Grundorientierungen des
       BdV. Erika Steinbach hat zwar vielfach von Empathie mit den Leiden aller
       Vertriebenen des 20. Jahrhunderts gesprochen. Aber im BdV wie in den großen
       Landsmannschaften trifft man auf einen Kampf um die Anerkennung als Opfer,
       der völlig selbstbezogen ist. Der BdV hält an seinen Feindbildern fest. Er
       ignoriert, in welchem Ausmaß beispielsweise polnische und tschechische
       Wissenschaftler sich kritisch mit der Geschichte der Vertreibungen nach
       1945 beschäftigt haben. Und wie auch in der Öffentlichkeit Debatten um
       Flucht und Vertreibung der Deutschen entstanden sind. Der BdV befördert
       damit die extrem nationalistischen Kräfte, sei es in Polen, sei es in
       Tschechien.
       
       Die Stiftung, die jetzt hoffentlich in die Gänge kommt, trägt die Spuren
       des Kompromisses mit Erika Steinbach und dem ursprünglichen BdV-Projekt
       "Zentrum gegen Vertreibungen". Ihr künftiger Ruf wird davon abhängen, dass
       die Ausstellung wie die anderen Stiftungsprojekte - einschließlich der
       wissenschaftlichen Beratung - einer vom BdV unabhängigen Linie folgen
       
       5 Mar 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Semler
       
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