# taz.de -- Daten weitergegeben: Ärztekammer auf Abwegen
> Die Hamburger Ärztekammer gab personenbezogene Daten eines Mediziners an
> einen privaten Abmahn-Verein weiter. Der zuständige
> Datenschutzbeauftragte sieht dafür "keine rechtliche Grundlage", die
> Staatsanwaltschaft ermittelt.
(IMG) Bild: Ob dieser ukrainische Arzt in Hamburg praktizieren dürfte, ginge es nach der dortigen Standesvertretung? Und was geschähe wohl mit seinen Daten?
Die Hamburger Ärztekammer hat ohne jede Rechtsgrundlage personenbezogene
Daten von mindestens einem Mediziner an einen privaten Verein weitergeben.
Zu diesem Schluss kommen der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Hans-J.
Menzel und der Anwalt eines der Betroffenen, Corvin Fischer. Während Menzel
die Kammer in einem Schreiben rügte und aufforderte, ihre Praxis zu ändern,
stellte Fischer inzwischen Strafanzeige gegen den verantwortlichen
Kammer-Mitarbeiter.
Darum geht es: Die Kammer forderte im vergangenen Jahr den Mediziner
Wladimir L. auf, nicht mit einem in seinem Heimatland erworbenen
Doktortitel zu werben und zu behaupten, er sei Facharzt für Akupunktur und
Chirotherapie. Der solchermaßen Angefahrene ist gebürtiger Ukrainer und hat
auch dort studiert. Als Wladimir L. sich weigerte, dieser Untersagung
nachzukommen trat die Kammer die juristische Durchsetzung ihres Begehrens
an den Berliner Verein "Verband Sozialer Wettbewerb e. V." ab. Und der
verklagte den Mediziner prompt wegen unlauteren Wettbewerbs. Dabei
übermittelte die Kammer offenbar personenbezogene, nicht öffentliche Daten
des in Hamburg praktizierenden Arztes an den Verein.
Rechtsanwalt Fischer spricht gar davon, Wladimir L.s "komplette
Personalakte" sei nach Berlin gewandert, und sieht darin "einen schweren
Verstoß gegen Datenschutzbestimmungen und die Persönlichkeitsrechte meines
Mandanten". Da die Ärztekammer als Körperschaft öffentlichen Rechts "ihr
anvertraute personenbezogene Daten, die sie als Genehmigungs- und
Aufsichtsbehörde erhielt, an einen Dritten weitergegeben hat", der nicht
zur beruflichen Verschwiegenheit verpflichtet sei, sieht Fischer sogar den
Tatbestand des "Bruchs des Amtsgeheimnisses" erfüllt.
Gegen den zuständigen Kammer-Mitarbeiter Jasper K. stellte Fischer eine
entsprechende Strafanzeige mitsamt Strafverfolgungsantrag bei der Hamburger
Staatsanwaltschaft. Die hat inzwischen ein Ermittlungsverfahren gegen den
Beschuldigten eingeleitet.
Rückendeckung erhält der Rechtsanwalt vom Hamburger Datenschutzbeauftragten
Hans-J. Menzel. Auch dieser kann "keine Rechtsgrundlage" für den
umstrittenen Transfer von Daten erkennen. Lediglich öffentlich zugängliche
Informationen über den Mediziner, wie sie etwa auch das Ärzteregister
bereithält, hätte die Ärztevereinigung an Dritte übermitteln dürfen, sagt
Menzel.
Eine Umfrage des Datenschützers bei den Ärztekammern anderer Länder ergab,
dass lediglich in Sachsen-Anhalt vergleichbare Übermittlungen
personenbezogener Daten erfolgt. Auch hier aber ist der Landesbeauftragte
für Datenschutz mit der umstrittenen Praxis bereits befasst. Die Hamburger
Kammer forderte Menzel vor zwei Wochen auf, ihre Praxis umgehend zu ändern.
Eine Reaktion auf sein Schreiben hat der Datenschützer bis heute nicht
erhalten.
Dabei ist unklar, ob die personenbezogene Datenweitergabe überhaupt ein
Einzelfall ist: Regelmäßig lässt sich die Hamburger Ärztekammer nach
eigenen Angaben bei berufsrechtlichen Verfahren gegen Einzel-Mitglieder von
dem Berliner Abmahn-Verein vertreten. Und stellt diesem für seine Tätigkeit
möglichst umfangreiche Informationen zur Verfügung. Dabei sei es aber
zumindest "unüblich, persönliche Daten zu übermitteln", heißt es in einer
schriftlichen Stellungnahme der Kammer an die taz.
Obwohl sie "zu konkreten Fällen wegen der Amtsverschwiegenheit nichts
sagen" mag, betont die Standesorganisation weiter, dass Personalakten nicht
an Dritte weitergegeben worden seien. "Im Gespräch mit dem
Datenschutzbeauftragten" werde man nun prüfen, wie es weiterhin möglich
sei, "Wettbewerbsverstöße im Sinne des Patientenschutzes" zu ahnden.
25 Mar 2009
## AUTOREN
(DIR) Marco Carini
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt HIV und Aids
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