# taz.de -- Kommentar Finanzgipfel: Auf gutem Wege
       
       > Erstmals seit dem Beginn der neuen Globalisierung in den 1980er-Jahren
       > trauen sich die Regierungen selbst mehr Macht zu. Die staatliche
       > Kontrolle der Wirtschaft wird gestärkt.
       
 (IMG) Bild: Weltretter unter sich
       
       Der Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in London war
       kein Misserfolg. Denn erstmals seit dem Beginn der neuen Globalisierung in
       den 1980er-Jahren trauen sich die Regierungen selbst mehr Macht zu.
       
       Bestand das Ergebnis internationaler Verhandlungen bisher oft darin, die
       Staaten zu schwächen und die Unternehmen zu stärken, so wurde diese Logik
       nun in ihr Gegenteil verkehrt: Kein Markt, kein Akteur und kein Produkt
       soll ohne staatliche Aufsicht bleiben. Banken und Investoren haben künftig
       weniger Bewegungsfreiheit für risikoreiche Geschäfte. Dieser Fortschritt
       beschränkt sich nicht auf die Industriestaaten. Weil diese unter dem Druck
       der Krise bereit sind, ihre Macht mit aufstrebenden Schwellenländern wie
       China, Indien, Brasilien und Indonesien zu teilen, kristallisiert sich eine
       neue globale Wirtschaftsverfassung heraus.
       
       Auf einige drängende Fragen, die die Finanzkrise aufwirft, hat der Gipfel
       allerdings keine Antworten gegeben. Was passiert mit den wertlosen,
       verlustbringenden und unverkäuflichen Wertpapieren, die einst hunderte
       Milliarden Euro wert waren und nun die Bilanzen der Banken belasten?
       Entgegen dem Plädoyer von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat man sich
       darüber lieber nicht unterhalten. Herausgekommen wäre: Niemand weiß genau,
       was man machen soll. Ob eine öffentliche Versicherung wie in Großbritannien
       oder der Kauf durch den Staat wie in den USA - nichts funktioniert richtig.
       
       Der größte Mangel aber ist, dass die Regierungen kein gemeinsames
       Investitionsprogramm zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beschlossen
       haben. Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy ist das
       schlicht zu teuer - eine Sparsamkeit, die sich angesichts des abrupten
       Absturzes der Weltkonjunktur als extrem kurzsichtig erweisen könnte. Doch
       wenn der Wirtschaftsabschwung anhält und der Druck steigt, könnte der
       nächste G-20-Gipfel durchaus ein internationales Konjunkturprogramm
       beschließen. Denn diese Krise ist noch lange nicht vorbei.
       
       2 Apr 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hannes Koch
       
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