# taz.de -- Energieausweis im Test: "Ach, den brauchen Sie überhaupt nicht"
       
       > Der taz-Test im Überblick: Ein Wochenende auf der Suche nach Wohnungen
       > und passenden Energieausweisen.
       
 (IMG) Bild: Schnieke Wohnung gefunden, aber was kostet es, sie zu heizen?
       
       Der Test: Für unsere Stichprobe suchen wir im Internet nach einer passenden
       Wohnung und ziehen dann zu zweit los. Dabei geben wir uns als
       durchschnittlich informierte Wohnungssuchende aus, die irgendwo mal etwas
       von einer "Energiebescheinigung" oder so gelesen haben. Wir wissen nicht
       wirklich, was das ist, fragen aber neugierig nach.
       
       Die Kriterien: Um den Test zu bestehen, dürfen die Vertreter der
       Wohnungsbaugesellschaften uns nichts Falsches über den Energieausweis
       sagen. Sie müssen ihn uns außerdem entweder selbst zeigen oder uns an eine
       andere Stelle verweisen, wo wir ihn sehen können.
       
       Kandidat 1: Gesobau. In dem sanierten Altbau relativiert die
       Außenmitarbeiterin den Nutzen des Energieausweises: "Der ist für Sie
       wirklich irrelevant." Nur der Eigentümer brauche ihn beim Verkauf der
       Wohnung. Der Pressesprecher versucht es hinterher zu retten: Das sei wohl
       ein Missverständnis gewesen.
       
       Fazit: Nix da - das war eine klare Falschauskunft!
       
       Kandidat 2: WBM. Die Beraterin im Servicecenter Friedrichshain ist ratlos:
       Der Energieausweis sei im Computer, aber sie käme nicht dran. "Das hat
       bisher noch nie geklappt." Die Pressestelle hält dagegen: "Wir haben den
       Energieausweis, und der wird auf Wunsch ausgedruckt." Doch just an diesem
       einen Tag habe es eine Generalwartung des EDV-Systems gegeben.
       
       Fazit: Zufälle gibt es!
       
       Kandidat 3: Degewo. Der Berater im Kundenzentrum Marzahn wiegelt unsere
       Frage nach dem Energieausweis ab: "Ach, den brauchen Sie überhaupt nicht."
       Wir gehen mit leeren Händen. Die Pressestelle meint dazu hinterher: "Sie
       können nie für jeden Mitarbeiter die Hand ins Feuer legen. Aber wir werden
       darauf reagieren und Gespräche im Kundenzentrum anleiern."
       
       Fazit: Kann ja nur besser werden!
       
       Kandidat 4: Howoge. In der Hohenschönhausener Sonntagsvermietung hagelt es
       falsche Informationen: Der Energieausweis sei nicht für Wohnungsmieter
       bestimmt und erst ab 2010 Pflicht. Zumindest werden wir auch an die
       Verwaltung verwiesen. Die schickt uns den Ausweis dann per E-Mail zu.
       
       Fazit: Falsche Beratung; wenigstens haben wir den Ausweis!
       
       Kandidat 5: Gewobag. Der Energieausweis für die Kreuzberger
       Zwei-Zimmer-Wohnung sei in der Verwaltung einsehbar, sagt der
       Außenmitarbeiter bei der Besichtigung. Herausgeben möchte man das Papier
       dort aber nicht. "Wir haben uns gegen die Übermittlung über Mail oder Fax
       entschieden", sagt der Unternehmenssprecher. Sonst sei die Betreuung der
       Kunden bei Verständnisfragen nicht gewährleistet.
       
       Fazit: Echte Servicewüste - vom mündigen Kunden hat man hier wohl noch
       nichts gehört!
       
       Kandidat 6: Stadt und Land. Die modernisierte Zwei-Zimmer-Wohnung im Süden
       Neuköllns hat ein paar Schmankerl zu bieten: Aufzug, Balkon, doppelt
       verglaste Fenster. Die Vertreterin der Wohnungsbaugesellschaft meint, den
       Energieausweis würden wir in der Verwaltung bekommen. Wir rufen dort an,
       und zwölf Minuten später liegt er im E-Mail-Postfach.
       
       Fazit: Genauso sollte es sein - eindeutiger Testsieger!
       
       ALEXANDRA KUNZE SEBASTIAN HEISER
       
       15 Apr 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alexandra Kunze
 (DIR) Sebastian Heiser
       
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