# taz.de -- Zypries Bedenken ignoriert: Union wahlkämpft gegen Kinderpornos
> Freitag unterschreibt das BKA mit Internetanbietern einen Vertrag, der
> den Zugang zu Kinderpornoseiten erschweren soll. Familienministerin von
> der Leyen (CDU) feiert das als Erfolg.
(IMG) Bild: Neues Wording: Weil ihre Maßnahme versierte Nutzer nicht abhält, spricht von der Leyen nun von einer "Zugangserschwerung" für Kinderporno-Seiten
Der Freitag soll ein großer Tag für Familienministerin Ursula von der Leyen
(CDU) werden. Auf ihre Initiative wird das Bundeskriminalamt (BKA) mit fünf
großen Internet-Providern vertraglich vereinbaren, dass der Zugang zu
ausländische Kinderpornoseiten in Deutschland "konsequent und wirkungsvoll"
erschwert wird. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) ist in das
wahlkampfträchtige Geschehen nicht eingebunden. Kein Wunder: Zypries hat
weiter rechtliche Bedenken gegen das Vorpreschen ihrer Kollegin.
In den Kinderporno-Sperrverträgen verpflichtet sich das BKA, täglich eine
aktualisierte Liste mit kinderpornografischen Webseiten zu erstellen. Die
Internet-Provider, unter anderem T-Online und Arcor, wollen sich
verpflichten, den Zugang zu diesen Angeboten zu blockieren. Kunden, die ein
gesperrtes Angebot aufrufen, bekommen dann nur eine Stopp-Seite zu sehen.
Da eine solche Sperre leicht zu umgehen ist und die meisten
Kinderpornoangebote ohnehin nicht im frei zugänglichen Internet zu finden
sind, spricht Ministerin von der Leyen nur noch von "Zugangserschwerung".
Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte gegen diese Verträge schon
Mitte März Bedenken erhoben. Nach ihrer Ansicht ist ein Gesetz
erforderlich, wenn der gesamte Verkehr im World Wide Web gefiltert werden
soll. Denn dies sei zumindest ein Eingriff ins Recht auf informationelle
Selbstbestimmung. Die CDU/CSU-Ministerien für Familie, Wirtschaft und
Inneres sehen dies jedoch anders. Ein Gesetz sei unnötig, weil kein
staatlicher Eingriff vorliege. Schließlich würden die Seiten von den
Internet-Providern, also privaten Firmen, blockiert.
Vermutlich werden Datenschützer die Provider verklagen, um den
ungesetzlichen Eingriff zu stoppen. Die Provider könnten allerdings
kontern, indem sie ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen ändern. Der
Ausgang vor Gericht dürfte interessant sein. Aber vielleicht wird es gar
nicht so weit kommen, weil sich die Internet-Provider eine mehrmonatige
Umstellungsfrist ausbedungen haben. Gut möglich, dass der Bundestag in der
Zwischenzeit noch eine gesetzliche Regelung für Kinderporno-Sperren
schafft. Ein entsprechender Gesetzentwurf von Wirtschaftsminister
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) soll schon in den kommenden Wochen auf den
Weg gebracht werden. Dann würde aber noch deutlicher, dass es sich bei der
Vertragsunterzeichnung am Freitag nur um einen Wahlkampf-Termin von der
Leyens handelt.
Berliner Bürgerrechtler wollen am Freitag mit einer Mahnwache vor dem
Bundespresseamt gegen die Kinderporno-Sperrverträge protestieren. Sie
glauben, dass diese Sperren nur als Einstieg dienen, um eine allgemeine
Zensur des Internets zu ermöglichen.
Unter den Aufrufern findet sich auch der neugegründete Verein MOGIS
(Missbrauchsopfer gegen Internet-Sperren). Er fordert, den "dokumentierten
Kindesmissbrauch" verstärkt direkt zu verfolgen, statt Grundrechte im
Internet einzuschränken.
15 Apr 2009
## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
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(DIR) Fragwürdiger Kabinettsbeschluss: Internetsperre leicht zu umgehen
Die von Ministerin von der Leyen geplanten Internetsperren sind leicht zu
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verhindern.