# taz.de -- Kommentar Sri Lanka: Krieg beendet, Gewalt bleibt
> Die Tamil Tigers haben verloren, ihr Anführer ist tot. Doch ohne
> Gleichberechtigung der Ethnien und Aufarbeitung der Kriegsverbrechen wird
> Sri Lanka nicht zur Ruhe kommen.
(IMG) Bild: In Sri Lankas Hauptstadt wird der Sieg der Armee über die tamilischen Rebellen frenetisch gefeiert.
Sri Lanka ist zu wünschen, dass die Niederlage der Tamil Tigers (LTTE) zum
Frieden führt. Der von der Regierung vermeldete Tod des brutalen
Tamilenführers Velupillai Prabhakaran dürfte die Chancen dafür erhöhen.
Angesichts der menschenverachtenden Art, mit der dieser Sieg auf dem Rücken
von hunderttausenden meist tamilischen Zivilisten erkämpft wurde, ist mit
einem Ende der Gewalt jedoch nicht zu rechnen.
Die Kriegsführung und ihre politisch-propagandistische Begleitmusik der
letzten Monate haben erneut gezeigt, dass Tamilen Grund haben, sich gegen
die dominante singhalesische Politik aufzulehnen. Das tamilische Drama
besteht darin, dass die LTTE mit Selbstmordattentaten, Kindersoldaten und
"menschlichen Schutzschilden" sowie der Ermordung gemäßigter Tamilen
Widerstand leistete. Diese Brutalität schadete nicht nur den berechtigten
Anliegen der Tamilen, es kostete auch Zehntausende das Leben.
Doch die Regierungsseite agierte nicht nur kaum menschlicher. Bisher war
auch bei ihr nicht zu erkennen, dass sie die ethnischen Beziehungen auf
eine neue Grundlage stellen will. Dies wäre aber nötig, um den Tamilen nach
dieser Niederlage einen erfolgversprechenderen Weg zu Autonomie und
Gleichberechtigung zu öffnen.
Um neue Gewalt zu verhindern, müssten zudem die betroffenen Zivilisten
schnell versorgt und eine unabhängige Untersuchung mutmaßlicher
Kriegsverbrechen eingeleitet werden. Die Ignoranz der vom Sieg berauschten
Regierung gegenüber der internationalen Gemeinschaft lässt jedoch fürchten,
dass es nie dazu kommen wird. Ohne Aufarbeitung und Verurteilung schwerer
Menschenrechtsverbrechen dürfte aus dem Teufelskreis der Gewalt nicht
auszubrechen sein.
19 May 2009
## AUTOREN
(DIR) Sven Hansen
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