# taz.de -- Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz: Großaktionärin mit Übermutter
       
       > Zuständig für das Geschäft waren in der Familie der Quelle-Erbin
       > Madeleine Schickedanz immer die Ehemänner.
       
 (IMG) Bild: Madeleine Schickedanz ist nicht sehr oft in der Öffentlichkeit zu sehen. (Archivfoto von 2007)
       
       Eine Macherin war Madeleine Schickedanz nie. "Ich bin niemand für die
       Öffentlichkeit", hat die Großaktionärin des seit gestern insolventen
       Arcandor-Konzerns einmal über sich selbst gesagt. 1943 in Nürnberg geboren,
       stand die 65-Jährige ihr Leben lang im Schatten ihrer Eltern, der
       Quelle-Gründer Gustav und Grete Schickedanz. "Es ist schwierig, wenn man
       eine Übermutter hat wie ich, ein ebenbürtiger Gegenpart zu sein", hat die
       Fränkin geklagt: Mutter Grete baute den ausgebombten Textilversand nach
       Kriegsende in Rekordzeit wieder auf - Gustav Schickedanz, in der
       Nazi-Diktatur Stadtrat von Fürth, hatte bis 1949 Berufsverbot. Doch schon
       1948 machte Grete 315.000 Mark Umsatz, 1954 lag die Bilanz der Quelle bei
       sensationellen 260 Millionen.
       
       Tochter Madeleine dagegen zog sich lieber nach St. Moritz, Frankreich oder
       Spanien zurück - ein Studium der Betriebswirtschaft hatte sie nach zwei
       Semestern abgebrochen. Zuständig für das Geschäft waren ihre Ehemänner: Der
       Nachbarsjunge Hans-Georg Mangold, Sohn eines bekannten Spielwarenhändlers,
       den Schickedanz 1965 geheiratet hatte, musste die Konzernführung verlassen,
       nachdem die Ehe gescheitert war. Auch die Karriere des zweiten Gatten,
       Wolfgang Bühler, endete nach der Scheidung 1997 abrupt.
       
       Im Arcandor-Aufsichtsrat wurden die Interessen von Madeleine Schickedanz,
       die mit Mangold und Bühler zwei Söhne und zwei Töchter hat, von Ehemann
       Nummer drei, Leo Herl, vertreten. Erfolgreich war Herl dabei nicht: Das
       Vermögen seiner Frau, die sich nach einer geheilten Leukämie-Erkrankung
       ihrer Tochter Caroline für die Krebsforschung engagiert, ist mit dem
       Arcandor-Desaster in den vergangenen zwei Jahren massiv geschrumpft. Heute
       soll Schickedanz angeblich nur noch über einen "niedrigen dreistelligen"
       Millionenbetrag verfügen.
       
       9 Jun 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
       
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