# taz.de -- 30 Jahre Cap Anamur: „Typisch Rupert“
       
       > Er wollte sie haben, er hat sie bekommen,„zack zack“. Dafür hat sie dann
       > die Strippen gezogen. Die Liebesschichte des Gründerpaares Christel und
       > Rupert Neudeck.
       
 (IMG) Bild: Rupert Neudeck zusammen mit seiner Frau Christa
       
       Rupert Neudeck wundert sich. Er steht vor der Kiwipflanze in seinem Garten.
       Sie wächst bis auf den Balkon, alles in allem ist sie gut sechs Meter lang.
       „Wie die hergekommen ist, wissen wir nicht“, sagt er. Die Kiwi? Christel
       Neudeck lacht. „Die hab ich doch vor zwanzig Jahren gekauft.“ Typisch
       Rupert, sagt sie, den interessiert das einfach nicht. Rupert Neudeck, heute
       70 Jahre alt, ist Retter, ist „Cap Anamur“, ist Grünhelm. Seit dreißig
       Jahren organisiert er humanitäre Hilfe. Aber Neudecks Geschichte ist nicht
       nur eine Rettergeschichte. Sie ist auch eine Liebesgeschichte: Christel
       Neudeck ist seine Frau, die Retterin des Retters.
       
       Troisdorf, geordnete, westdeutsche Kleinstadtidylle. Christel Neudeck sitzt
       am Tisch und isst Schinkenbrot. Sie ist 66 Jahre alt, und sie ist erkältet.
       Ansehen kann man ihr beides nicht. Hier, in diesem Wohnzimmer, begann vor
       30 Jahren ihre Arbeit für das Komitee Cap Anamur. Seit 2003 ist es die
       Schaltzentrale der Grünhelme. Im Kamin liegt ein Birkenscheit, auf dem Sims
       steht eine Kanne aus Äthiopien.
       
       Rupert Neudeck rechnet, 1967, nein, 1969 haben sie sich kennengelernt. Er
       Intellektueller, sie Arbeiterkind. Es ging alles „ruck, zuck, zack, zack“:
       Heiraten, Kinder, Reihenhaus. 1979 hört Rupert Neudeck von den
       vietnamesischen Boatpeople. Sie entscheiden, zu helfen. Christel Neudeck
       arbeitet „full time, full night“. Das Telex im Flur lärmt die ganze Nacht.
       Tagsüber nimmt Christel Neudeck Spenden entgegen, organisiert Flüge,
       betreut die Mitarbeiter, versorgt die Kinder.
       
       Tochter Yvonne war neun, als das Projekt begann, Sohn Marcel vier. Wenn
       sich Kandidaten als Helfer vorstellten, fragten die Eltern sie: „Ist das
       ein Komitee-Typ?“ Ihr Urteil hatte Gewicht. Milena, das „Komitee-Kind“,
       wurde mitten in die Rettungsaktionen hineingeboren. Im Haus herrschte
       Chaos. „Gegen die bürgerliche Ordnung“, sagt Neudeck und freut sich.
       „Hauptsache, die Kinder sind glücklich und die Toiletten sauber“, sagt
       seine Frau.
       
       Wie das wohl läuft mit Familie und Beziehung, wenn einer ständig weg ist?
       Lesen Sie weiter in der sonntaz, Seite 15
       
       19 Jun 2009
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jana Petersen
       
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